Schimpansen sind klüger als vierjährige Menschen

10. Juni 2011, 18:46
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Menschenaffen wenden archimedisches Prinzip an

Leipzig/Wien - Die Intelligenz der Menschenaffen ist von der Wissenschaft lange unterschätzt worden. Mittlerweile hat es aber fast schon wieder den Anschein, als ob es fast gar keine Fähigkeiten mehr zwischen uns und unseren nächsten lebenden Verwandten gibt. Dass es Menschenaffen beim klugen Kombinieren zumindest mit Kindern der Gattung Homo sapiens durchaus aufnehmen können, zeigen nun neue Vergleichsexperimente deutscher Wissenschafter.

Am Beginn ihrer Versuchsreihe deponierten Forscher um Daniel Hanus und Natacha Mendes eine Erdnuss am unteren Ende einer Plastikröhre und stellten für die tierischen Probanden Wasser bereit. Keines der Tiere kam auf die Idee, Wasser in die Röhre zu leeren, um so zum Futter zu gelangen.

Zeigte man den Probanden aber zu Beginn eine Erdnuss, die auf dem Wasser schwamm, dann kamen immerhin 20 Prozent der Schimpansen auf die Idee, das archimedische Prinzip anzuwenden: Sie transportierten in ihrem Mund Wasser zur Röhre und füllten sie so lange, bis die Erdnuss für sie zum Greifen war.

Die in diesem Experiment getesteten Orang-Utans hingegen scheiterten alle. Und warum die klugen 20 Prozent der Schimpansen beim ersten Mal kapitulierten, versuchten die Forscher im Fachblatt PLoS ONE auch zu erklären: Sie schienen "funktional allzu fixiert" gewesen zu sein.

Wie aber schnitten Jungmenschen bei dem Experiment ab? Dazu testeten die Forscher vier- bis achtjährige Kinder, denen das gleiche Setting geboten wurde wie den zu 20 Prozent erfolgreichen Schimpansen. Bei den achtjährigen Menschen fanden immerhin 58 Prozent die richtige Lösung. Bei den Vierjährigen waren es hingegen nur acht Prozent. Und der Trick eines Schimpansen überraschte selbst die Forscher: Dieser Affe pinkelte nämlich in die Röhre, um danach die Nuss genüsslich zu verspeisen. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 11. - 13. 6. 2011)

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