Zwist um Verbot von Zigarettenautomaten

10. Juni 2011, 16:18
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Glawischnig: Jugendliche unter 16 würden sich Bankomat- oder Kreditkarte als Altersnachweis von Erwachsenen leihen - Trafikanten: "Verbot würde Betriebe gefährden"

Die grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig fordert ein Verbot aller Zigarettenautomaten, berichtet das Ö1-Morgenjournal am Freitag. Etwa 5000 davon gibt es in Österreich. Seit dem Jahr 2007 müssen Käufer an Zigarettenautomaten mittels Bankomat- oder Kreditkarte nachweisen, dass sie mindestens 16 Jahre alt sind. Glawischnig ist das zu wenig Schutz: Jugendliche würden einfach Erwachsene bitten, ihre Karte benützen zu dürfen.

Auch in anderen Ländern wie Ungarn, Großbritannien, Frankreich oder Irland seien Zigarettenautomaten auf offener Straße verboten. Erwachsene könnten ja weiterhin Zigaretten in der Trafik kaufen, so Glawischnig, die anonymisierte Zugangsmöglichkeit für sehr junge Menschen sei jedoch ein Problem.

Anträge im Nationalrat

Die Grünen halten auch ihre Forderung nach einem generellen Rauchverbot in der Gastronomie aufrecht. Bei der nächsten Plenarsitzung des Nationalrats kommenden Mittwoch wollen die Grünen ihre Anträge auf ein generelles Rauchverbot in Lokalen und auf ein Verbot von Zigarettenautomaten einbringen.

Trafikanten reagieren

"Die Forderung der Grünen ist eine überschießende Verbotsmaßnahme. Gegen die Abschaffung der Zigarettenautomaten haben sich erst unlängst eine Millionen Österreicher durch ihre Unterschrift im Rahmen der EU-Befragung klar positioniert", betont Peter Trinkl, Obmann des Bundesgremiums der Tabaktrafikanten in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in einer ersten Reaktion.

Erst 2007 hätten sich die Trafikanten dazu verpflichtet, ihre Zigarettenautomaten mit einer Bankomatkarten-Sicherung auszustatten. Die kostspielige Umrüstung der Automaten habe dazu geführt, dass Jugendliche schon jetzt keine Zigaretten mehr vom Automaten kaufen können. "Der Jugendschutz funktioniert sehr gut. Einzelfälle von Umgehungen können nie ganz verhindert werden", so Trinkl. Es sei allerdings bisher noch keiner Partei eingefallen, etwa die Abschaffung des Führerscheins zu fordern, "nur weil einige ohne Lenkerberechtigung ein Auto fahren".

"Verbot gefährdet Betriebe"

Ein Verbot der Zigarettenautomaten würde dazu führen, dass die Trafikanten - um wirtschaftlich überleben zu können - länger offen halten müssten, so der Obmann: "Für eine Vielzahl der Händler wäre dies gar nicht möglich, weil es sich um Kleinst- und Einzelunternehmer, darunter eine Vielzahl von Menschen mit Behinderung, handelt."

Politische Reaktionen 

Für die FPÖ kommt das von den Grünen verlangte Verbot nicht in Frage. Tabakwaren stellten ein erlaubtes Genussmittel dar und der Verkauf sein ohnehin stark reglementiert, erklärte Generalsekretär Vilimsky. Kritik äußerte auch das BZÖ: Die Begründung des verlangten Verbots sei "hanebüchen". Auch im Wirtschaftsministerium hält man die derzeit geltende Zugangsregelung für ausreichend. Ein weiteres Verbot würde keine Probleme lösen, sinnvoller seien Prävention und stärkere Bewusstseinsbildung betreffend die Gefahren des Rauchens. (red)

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    Geht es nach den Grünen, sollen Zigarettenautomaten künftig verboten werden.

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