Spekulanten sind schuld am hohen Ölpreis

9. Juni 2011, 16:12
2 Postings

OPEC-Generalsekretär Abdullah El-Badri hat die Entscheidung der OPEC, die Ölfördermengen vorerst nicht zu erhöhen, verteidigt

Wien - OPEC-Generalsekretär Abdullah El-Badri hat die Entscheidung der OPEC vom Mittwoch, die Ölfördermengen vorerst nicht zu erhöhen, verteidigt und Spekulanten für den hohen Ölpreis verantwortlich gemacht. "Es gibt genug Öl auf dem Markt und die Lager sind gut gefüllt", sagte der Libyer am Donnerstag beim World Economic Forum (WEF) in Wien.

Auch Libyen hatte gegen die Erhöhung der Fördermenge gestimmt. OMV-Chef Gerhard Roiss sprach von einer "weisen Entscheidung" der OPEC.

"Es wird täglich 35mal so viel Öl gehandelt wie verbraucht wird", sagte El-Badri, da solle doch niemand sagen, es gebe keine Spekulation. Falls der Ölbedarf wirklich steigen sollte, gebe es genug Kapazität um die Produktion anzuheben.

Öl gebe es genug, sagte der OPEC-Generalsekretär, die Sicherheit der Versorgung sei also gewährleistet. Aus der Sicht der Förderländer stelle sich viel mehr die Frage der Nachfrage-Sicherheit, die für Investoren wesentlich sei. Für die hohen Treibstoffpreise sei im übrigen auch die hohe Besteuerung in den westlichen Ländern verantwortlich. "Die G-7 verdienen mit unseren Exporten mehr Geld als die Förderländer selbst."

Schädlich sie vor allem die hohe Volatilität des Ölpreises, weil die Unsicherheit schlecht sei für Investoren. Man appelliere daher an die Regierungen der USA und der EU-Länder, Maßnahmen dagegen zu ergreifen.

OMV-Chef Roiss sieht hingegen im Ölpreis einen Stabilitätsfaktor. Der Gaspreis sei derzeit zum größeren Teil an den Ölpreis gekoppelt, und das sollte auch so bleiben, so Roiss, um die notwendige Investitionssicherheit zu gewährleisten.

Leitl schlägt "EWR neu" mit Zentralasien vor

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl schlägt indes die Schaffung eines großen europäischen Wirtschaftsraumes mit den zentralasiatischen Staaten vor, einer Art "EWR neu". Ein solcher Wirtschaftsraum mit einer Milliarde Menschen könnte in der Globalisierung "auf Augenhöhe mit Ländern wie Indien oder China sein. Wir wissen, dass nicht nur der Donauraum, sondern auch der Schwarzmeerraum an einer engeren Zusammenarbeit mit der EU interessiert ist", so Leitl.

Die EU tue sich politisch schwer, weil die Erweiterungen der Vergangenheit "noch nicht verdaut" seien, daher hätten Erweiterungen für die Zukunft wenig Spielraum, meinte Leitl. Aber "eine große Wirtschaftsunion" hätte eine faszinierende Perspektive, die weit über die Wirtschaft hinaus ausstrahlen könnte. Wirtschaft sei nicht nur der Austausch von Gütern und Dienstleistungen, nicht nur die Nutzung von Ressourcen, sondern die Schaffung von menschlicher Begegnung und persönlichem Vertrauen und damit ein Beitrag zu sozialer Stabilität und zur Friedenssicherung, so der Wirtschaftskammer-Präsident. (APA)

 

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Abdullah El-Badri

Share if you care.