Kino.to-Uploader nicht eingeschüchtert

9. Juni 2011, 14:40
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"Ich sehe mich nicht als Verbrecher" – Streaming-Seiten nach Meinung eines Uploaders nicht vor dem Aus

Im Zuge europaweiter Razzien wurden am 8. Juni 13 Personen verhaftet, die angeblich die Filmseite Kino.to betrieben haben. Die Seite sowie mehrere Streaming-Portale, zu deren Angebote die Links von Kino.to führen, wurden offline genommen (der WebStandard berichtete). Netzfeuilleton.de hat nun mit einem User aus Deutschland gesprochen, der regelmäßig Inhalte auf Kino.to zur Verfügung gestellt hat.

Kein Kontakt zu den Betreibern

Laut dem Nutzer, dessen Namen die Blogger geändert haben, haben regelmäßig "ein paar hundert Leute Filme, Serien und Dokumentationen auf ein paar Hostingplattformen" hochgeladen. Die entsprechenden Dateien würden sie im Netz finden und auf die Streaming-Seiten laden. Die Links auf diese Streams würden danach über eine eigene Software auf Kino.to bereitgestellt. Kontakt zu den Betreibern der Seite hätten die Uploader nicht. Alles funktioniere anonym.

1.000 Dollar pro Monat verdient

Von den Streaming-Portalen, die Usern oft auch Premium-Accounts anbieten, würden die Uploader für ihre Tätigkeit bezahlt. Durchschnittlich 1000 US-Dollar pro Monat habe der Interviewte bekommen. Seitens Kino.to habe es kein Geld gegeben. Dass die Seite monatlich siebenstellige Beträge umsetze, wie die Staatsanwaltschaft Dresden behauptet, hält er für realistisch: "Die Seite hatte jeden Tag sicher mehr als eine Million Besucher und war voll mit Erotik- und Pokerwerbung. Die bezahlen ganz gut."

Kino.to nicht am Ende

Dass Kino.to nun am Ende sei, glaubt der interviewte User indes nicht. Es gebe seiner Vermutung nach Mirrors, worüber die Seite unter anderen Adressen bald wieder online gehen könnte. Und falls doch nicht, gebe es im Netz immerhin viele andere ähnliche Angebote.

"Ich bin kein Verbrecher"

Angst nun selbst ins Visier der Ermittlungen zu gelangen habe er nicht. "Kino.to hat nur verlinkt. Ich finde das nicht schlimm. In anderen Ländern ist das erlaubt." Das Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte ist allerdings auch in anderen Staaten verboten. Dazu meint der Uploader: "Beim Hochladen muss man genauso anonym bleiben. [..] Man wird jetzt erstmal vorsichtiger sein." Als Verbrecher sieht er sich jedenfalls nicht: "Wenn in Amerika jeder Serienfolgen kostenlos und legal ansehen kann. Wieso soll das in Deutschland dann nicht erlaubt sein?"

Bald legale Konkurrenz?

Tatsächlich könnte Kino.to auch in Europa bald legal Konkurrenz bekommen. Die EU-Komission fordert mittlerweile, dass es ähnliche Streaming-Angebote wie in den USA auch in Europe geben soll. Dafür müsse jedoch erst das Urheberrecht vereinfacht und vereinheitlicht werden. (red)

  • Kino.to wurde im Zuge einer Razzia am 8. Juni vom Netz genommen.
    screenshot

    Kino.to wurde im Zuge einer Razzia am 8. Juni vom Netz genommen.

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