Work-Life-Balance heißt für Frauen etwas anderes

4. Juni 2011, 08:00
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Es hat sich einiges getan in der sogenannten Lastenverteilung zwischen Familie und Beruf - Europäische Studien weisen den Fortschritt aber deutlich als bis jetzt limitiert aus - Work-Life-Balance ist für Frauen anders

Forschungsergebnisse des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (European Institute for Gender Equality, EIGE) zeigen, dass trotz Verbesserungen in der Politik die Work-Life Balance für Frauen und Männer weiterhin ungleich verteilt ist.

Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Frauen in den meisten Mitgliedstaaten der Europäischen Union nach wie vor die Hauptlast bei der Betreuung von Kindern und Senioren tragen. So müssen Frauen - häufiger als Männer - den Kraftakt zwischen Betreuung und Berufsleben bewältigen. Dieser Konflikt ist nicht nur eine vergeudete Chance für die Wirtschaft, sondern auch für jeden einzelnen Betroffenen.

Verzicht für die Familie

Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit weit häufiger als Männer, um so Zeit für informelle Pflege zu haben. Ein Drittel der Frauen, die ihre Arbeitszeit zugunsten von Pflegeleistungen reduzieren, gibt an, dass nicht genügend Pflegedienste zur Verfügung stehen.

Die neuesten EIGE-Erkenntnisse zeigen, dass Frauen im berufsfähigen Alter im Durchschnitt dreimal so viel Zeit am Tag mit der Kinderbetreuung verbringen wie Männer. Frauen in Vollzeitbeschäftigung, die zusätzlich Betreuungsaufgaben wahrnehmen, arbeiten wesentlich mehr Stunden als ihre männlichen Kollegen.

Teilzeitarbeitsmodelle sind in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf dem Vormarsch und werden insbesondere von Frauen wahrgenommen. Teilzeitstellen bieten nicht die gleichen Karrierechancen wie Vollzeitstellen. So müssen nach wie vor Kompromisse eingegangen werden, wenn Kinderpflege und eine erfolgreiche Karriere vereint werden sollen.

Politische Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familienzielen darauf ab, den Konflikt zwischen beruflicher und privater Verantwortung zu minimieren und Frauen zur Arbeit zu ermutigen, dies alles jedoch nicht zulasten der Geburtenrate.

Die EU-Richtlinie von 1996 über den Elternurlaub ist eine Strategie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die von allen Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft umgesetzt worden ist. Das gesetzliche Rahmenwerk variiert jedoch in den verschiedenen europäischen Ländern und unterbindet so eine wirksame Umsetzung dieser Maßnahme.

In Schweden, Dänemark und Finnland, wo der Vaterschaftsurlaub nicht übertragbar ist, beteiligen sich immer mehr Väter an der Kindererziehung. Das heißt, 20 % des Urlaubs wird dafür wahrgenommen.

Politische Strategien zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Gesetze können einen positiven Einfluss auf die Wirtschaft und das Leben Einzelner nehmen, sofern sie gut ausgearbeitet wurden und sofern alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union sich in einem gewissen Umfang damit befassen.

Die derzeitigen EIGE-Studien beschäftigen sich mit der Ausgewogenheit von Berufs- und Privatleben in Europa. Der Einfluss von Pflegeverantwortungen auf Männer und Frauen im Arbeitsmarkt sind Teil der Untersuchung, aber auch der Einfluss der Gesetzgebung und der Maßnahmenausarbeitung. (kbau, DER STANDARD, Printausgabe 4./5.6.2011)

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