Vier Schulen müssen Wiener Lesetest wiederholen

1. Juni 2011, 11:25
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Schüler hatten im zeitabhängigen Teil alle Fragen beantwortet, weil Lehrer mehr Zeit gewährt hatten

Wien - Der PISA-Test irrt - zumindest wenn man nach den Ergebnissen des im April durchgeführten ersten Wiener Lesetests geht. Die waren bei vier Volksschulen nämlich so gut, dass man im Stadtschulrat stutzig geworden ist - und den Test heute, Mittwoch, an besagten Schulen wiederholt. "Kinder an diesen vier Schulen haben im zeitabhängigen Testteil alle Fragen beantwortet", bestätigte Rupert Corazza, Leiter der "SOKO Lesen" im Stadtschulrat, einen Bericht der Gratiszeitung "Heute". "Dabei ist der Test eigentlich so konzipiert, dass man gar nicht fertig werden kann."

"Missverständnis bei Testdurchführung"

Der Grund: Die Lehrer hatten ihren Schülern beim Test zu viel Zeit gelassen, woraufhin sie am Ende zurück blättern und sich erneut den Aufgaben zur Lesegeschwindigkeit widmen konnten. Von einem "Schwindel-Skandal" könne aber keine Rede sein. "Ich unterstelle den Lehrern weder eine Absicht noch Schwindel oder Betrug", so Corazza. "Hier gab es ganz einfach ein Missverständnis bei der Testdurchführung." In den zwei geschwindigkeitsabhängigen Teilen mussten Kinder ein Wort mit einem Bild assoziieren und Sätze vervollständigen - und das in drei Minuten. "Der Witz sind die drei Minuten und nicht die Frage, ob ich's kann", erklärte Corazza der APA. "Wenn ich da nicht aufpasse und das nicht weiß, denke ich mir als Lehrer auch nichts dabei."

Gesamtergebnis am 17. Juni

Bei der Testwiederholung an den vier von insgesamt 500 Schulen sind eigens geschulte "Headtester" im Einsatz, "damit so ein Missverständnis nicht nochmal passiert". Die Gesamtergebnisse, die für 17. Juni erwartet werden, wird das laut Corazza nicht verzögern. Der Wiener Lesetest wurde als Reaktion auf den Absturz heimischer Schüler bei der internationalen Bildungsvergleichsstudie PISA initiiert. Durchgeführt wird er vom auch für die PISA-Testungen zuständigen Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE). Anfang April wurden 15.400 Schüler der vierten Klasse Volksschule und etwa 8.300 Schüler der vierten Klasse Hauptschule getestet. (APA)

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    "Es gab ganz einfach ein Missverständnis bei der Testdurchführung."

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