Asfinag reduziert, "Österreich" prügelt "Versager"

27. Mai 2011, 17:48
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Vorstand Schierhackl: "Wir verwalten öffentliche Gelder"

Wien - Die Wortwahl fiel selbst in Österreich auf: "Wer stoppt die Asfinag-Versager?", titelte das Blatt unter dem Übertitel "Riesenschulden & Millionenablösen".

Der Großstau auf der Südosttangente wegen Unfalls und einer Großbaustelle bot den Anlass für Blattaufmacher und fast eineinhalb Seiten "Wut über Tangenten-Chaos". "Asfinag: Das Stau-Chaos hat einen Namen", kam selbst der gemeinhin erregungsresistente Chefredakteur Werner Schima per Kommentar zum Einsatz.

Asfinag? Zählten die öffentlichen Straßenbauer nicht zu den besten Inserenten der Zeitung Wolfgang Fellners, die zudem mit der Autobahnvignette alle Jahre eines der wichtigsten Abogeschenke Österreichs herstellen?

"Können nicht anders"

Hat die Asfinag womöglich ihr Inseratenbudget in dieser Zeitung zurückgefahren? "Das haben wir", bestätigt der für Finanzen zuständige Vorstand Klaus Schierhackl, den Österreich wie seinen Technikkollegen Alois Schedl als "Versager" beschimpfte.

Wie das Bauvolumen habe die Asfinag auch das Gesamtwerbevolumen reduziert, erklärt Schierhackl auf STANDARD-Anfrage. Und die Straßenverwalter verteilten das Werbebudget neu. 2008 erschienen in Österreich noch - grob - dreimal mehr Inserate der Asfinag als in der Krone. 2009 noch rund ein Drittel mehr als im marktbeherrschenden Kleinformat der Familie Dichand und der WAZ. 2010 überholte die Krone, und Heute, geführt von Eva Dichand, wurde jedenfalls flächenmäßig stark gebucht.

"Kritisch und unabhängig"

Warum die Reduktion bei Österreich? "Wir verwalten öffentliche Gelder, die können wir nicht anders verteilen", sagt Schierhackl. Nun buche man "nach der Stärke auf dem Markt". "Wir sind der Republik verpflichtet, unserem Eigentümer. Da können wir keine Sonderprogramme fahren."

Schierhackl will nicht darüber spekulieren, ob zwischen reduzierter Schaltung und der redaktionellen Breitseite gegen das Asfinag-Management ein Zusammenhang besteht.

Wolfgang Fellner weist derlei auf Anfrage des STANDARD zurück: "Da interpretieren Sie falsch. Das hat ausschließlich mit kritischer und unabhängiger Berichterstattung zu tun. Zu einem unbestritten richtigen Anlass. Kampagnen - wie in anderen Medien - gibt es bei uns nicht. Sondern Einzelkritik zu Vorfällen, die zigtausende Autofahrer aufgeregt haben."

Das Verhältnis zwischen Asfinag und Österreich trübte schon 2009 das Vignettenthema. Die Zeitung bot Inserate für Vignetten. Die Asfinag klagte ausständige rund 1,5 Millionen für die Mautkleber ein. "Österreich hat vor der ersten Verhandlung bezahlt", erklärt Schierhackl auf Anfrage.

"Nur gegen Bankgarantie"

Und bekommt Österreich nun noch Vignetten? "Nur gegen Bankgarantie", sagt Schierhackl.

Österreich stach zuletzt auch in der generell kritischen Berichterstattung über die abgelöste Justizministerin Claudia Bandion-Ortner hervor. Über Tage und Wochen nahm sich Wolfgang Fellners Zeitung die Richterin vor.

Unter Justizministerin Claudia Bandion-Ortner führte die Staatsanwaltschaft Wien Hausdurchsuchungen an Wohn- und Firmenadressen der Brüder Fellner durch. Die Staatsanwaltschaft untersucht ein Immobiliengeschäft einer von Wolfgangs Fellners Bruder Helmuth geleiteten Firma mit der Immofinanz. Wolfgang Fellner beruft sich da auf das Redaktionsgeheimnis, darüber hat das Oberlandesgericht Wien zu entscheiden. (fid, DER STANDARD; Printausgabe, 28./29.5.2011)

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