Ein Hauch von früherem Glanz

25. Mai 2011, 18:03
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Die Seebad-Atmosphäre passt zum Treffen der G-8

An der Badekabine von Liz Taylor schnuppert der Schäferhund besonders lange. Aber auch dort ist keine Rachebombe für Osama Bin Laden versteckt. Die sonnenbebrillte Polizeipatrouille geht weiter auf dem 600 Meter langen Holzsteg, auf dem jede Umziehkabine den Namen eines Filmstars trägt.

Denn Deauville mag es mondän. Das erst 150 Jahre alte Seebad am Ärmelkanal wird im Volksmund auch gern "Paris plage" (Pariser Strand) genannt: Am Freitagabend stauen sich auf der Autobahn zwischen der französischen Hauptstadt und dem schicksten Ort der Normandie die teuren Limousinen und Cabriolets - am Wochenende verlustigen sich die reichen Pariser in Deauville bei Golf, Polo oder einer faulen Strandpartie, die höchstens einmal von einem Kasinobesuch auf der anderen Seite des berühmten Holzstegs unterbrochen wird.

Jetzt sind die farbigen Sonnenschirme des weiten Strandes eingerollt, die Roulettetische zugedeckt. Helikopterlärm verdrängt das Mövengeschrei, und über 12.000 Ordnungshüter ersetzen die 4000 Einwohner, die höchstens noch mit einem Badge Einlass in ihre normannischen Riegelhäuser erhalten. "Ich glaube kaum, dass ein Staatschef Badehosen kaufen kommt", meint eine Boutique-Verkäuferin griesgrämig. Eine kleine Chance hätte sie vielleicht bei den 2500 Delegationsmitgliedern oder den 3500 Journalisten - wenn das Baden im Meer nicht strikt verboten wäre. Das verhindert auch eine Attacke der G-8-Gegner von der Wasserfront her. Die "altermondialistes" wurden in der nahen Industrie- und Hafenstadt Le Havre einquartiert, das heißt jenseits der imposanten "Pont de Normandie", der zwei Kilometer langen Hängebrücke über die Seine. Transparente wie "smash capitalism" sind von Deauville aus nicht einmal mit dem Feldstecher zu erkennen.

Unter sich bleiben

Die G-8-Teilnehmer sollen unter sich sein. Das sind sie fast zu sehr: Das schicke Seebad ist von der Außenwelt abgeriegelt, geschützt durch Fliegerabwehr-Batterien, Dronen und eine Hochgebirgseinheit der französischen Gendarmerie. Bahnhof, Flugplatz und Hafen sind geschlossen.

Die hohen Gäste sollen in aller Ruhe diskutieren können - bei so wichtigen Themen wie der Atomkraft, dem Arabischen Frühling oder dem Nahostfrieden. Wirtschaftliche Fragen bleiben weitgehend ausgeklammert: Darum kümmert sich nun das G-20-Gremium unter Einbezug der wichtigsten Schwellenländer. Den acht großen Industrienationen bleibt gerade noch das Privileg, die Regierungschefs Tunesiens und Ägyptens nach Deauville zu laden; beide dürften mit Versprechen von je 12 Mrd. Euro abreisen.(Stephan Brändle, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 26.5.2011)

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    Ungestört zu baden ist während des G-8-Treffens kaum möglich.

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