"Da ist eine Breite an der Spitze absehbar"

Interview15. Mai 2011, 18:18
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Philip Schneider ist der einzige Legionär im Nationalteam. Der gelernte Bankkaufmann über Ein­kaufszentren und den Sprung ins Ausland

Standard: Sie spielen seit 2005 als Legionär in Frankreich. Woran hapert es, dass nicht mehr Volleyballer im Ausland spielen?

Schneider: Leistung bringen kannst du überall, auch in Österreich. Aber es ist ein Umschwung spürbar. Unser Teamchef Michael Warm hat gesagt, wenn wir das Nationalteam langfristig stark machen wollen, müssen mehr Spieler ins Ausland. Jetzt haben schon einige junge Spieler Interesse gezeigt, dass sie sich einen guten Verein suchen und Erfahrung sammeln wollen. Natürlich ist dieser Schritt der schwierigste.

Standard: Wie haben Sie den Sprung geschafft?

Schneider: Ich habe gepokert. Ich habe gesagt, dass es mich nicht mehr interessiert, in Österreich zu spielen. Meine zwei Optionen waren: einen Verein im Ausland zu finden oder die Rückkehr in meinen gelernten Job als Bankkaufmann. Dann sind Angebote aus Deutschland, Frankreich und Italien eingetrudelt. Mit dem ersten Angebot aus Frankreich war ich derart glücklich, dass ich gleich bei Avignon unterschrieben habe.

Standard: Geht es nach der Papierform, ist Österreich bei der Heim-EM die schlechteste Mannschaft. Bei der letzten EM-Teilnahme 1999 landete das Team abgeschlagen auf dem letzten Platz. Wie kann man ein ähnliches Debakel verhindern?

Schneider: Auf alle Fälle mit einer beinharten Vorbereitung. Ich war 1999 als Fan in der Stadthalle dabei. Diesmal haben wir den Vorteil, dass wir im Vorfeld in der European League mitspielen dürfen. Das heißt, wir können wettkampfmäßig gegen viel stärkere Nationalteams spielen, die sonst nicht gewillt wären, gegen uns anzutreten. Das bringt uns weiter. Und mit Siegen wie zuletzt gegen Griechenland, die Türkei und Portugal tanken wir auch Selbstvertrauen.

Standard: Wie sind Sie zum Volleyball gekommen?

Schneider: Ich hab in der Jugend immer Fußball gespielt. Erst als ich 15 Jahre alt war, hat mich ein Volleyball-Nachwuchstrainer von Feldkirch in einem Einkaufszentrum wegen meiner Größe angesprochen und mich gleich zu einem Training eingeladen. Ich war damals 1,95 Meter groß. Mir hat der Sport sofort getaugt.

Standard: Wann haben Sie den Schritt zum Profi beschlossen?

Schneider: Zuerst einmal muss ich mich beim Bundesheer bedanken. Dadurch konnte ich mal schauen, wie es ist, wenn man sich nur mehr auf Volleyball zu konzentrieren braucht. Ich hab ja in der Anfangszeit nebenbei noch in der Bank in meinem Heimatdorf Sulz-Röthis gearbeitet. 2003 hab ich dann in Innsbruck meinen ersten Profivertrag gekriegt.

Standard: Sie spielen - mit einer einjährigen Unterbrechung - seit 2005 im Ausland. Was unterscheidet Profivolleyball in Frankreich von jenem in Österreich?

Schneider: Auf jeden Fall die Anzahl der Spieler. Wenn bei uns im Nationalteam ein oder zwei Stammspieler ausfallen, wird es extrem schwer, diese zu ersetzen. In Frankreich hast du 25 Spieler, da kannst du jeden aufs Feld schicken, und die Qualität wird die gleiche bleiben. Mit den Volleyball-Akademien in Wien und Graz sieht man aber auch bei uns, dass man mit wenig Aufwand die Qualität der Nachwuchsspieler extrem verbessern kann. Da ist eine Breite an der Spitze absehbar. Unser Teamchef hat mal im Spaß gesagt, dass die Einberufung ins Nationalteam jetzt noch einfach ist. Er nimmt einfach jeden, der gerade laufen kann.

Standard: Könnten Sie sich vorstellen, nach Ihrem Karriereende in Ihren Beruf zurückzukehren?

Schneider: Nein, überhaupt nicht. Die Banker sind für mich eine linke Partie, das habe ich mitbekommen. Wenn du Geld hast, bekommst du mehr Geld. Und wenn du keines mehr hast, nehmen sie dir noch mehr weg. Das war nicht so meines. (DER STANDARD Printausgabe 16.05.2011)

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    Philip Schneider zu diesem Zeitpunkt noch in Diensten der AON hotvolleys.

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