Ein Voralpenklassiker mit freier Sicht

    13. Mai 2011, 16:55
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    Die Überschreitung über Tirolerkogel und Eibl bis nach Türnitz wurde bereits 1914 in einem Touristenführer wegen der grandiosen Aussicht gelobt

    "In der Rundschau treten am meisten das trotzige Haupt des Ötschers, an den sich Dürrenstein und Gemeindealpe reihen, dann die Ennstaler Berge mit Kaiserschild und Lugauer, die gipfelreiche Hochschwabgruppe, die Veitsch, der stolze Göller, die Massen der Rax und der mächtige Schneeberg hervor." So heißt es in einem Touristenführer aus dem Jahre 1914, die Rede ist vom über 1300 m hohen Tirolerkogel, der in älteren Beschreibungen noch als Rainberg aufscheint und seinen heutigen Namen Tiroler Holzknechten verdankt, die in dieser Gegend arbeiteten. Der Tirolerkogel bildet den höchsten Punkt auf einer Überschreitung von Annaberg nach Türnitz, die seit jeher als ein Klassiker der Voralpen galt und nichts an Beliebtheit eingebüßt hat; zumal es eine günstige Busverbindung zwischen Ausgangs- und Endpunkt gibt.

    Nicht nur die Aussicht vom Tirolerkogel ist überaus lohnend, man bewegt sich vorwiegend auf freien Flächen, die Sicht nach allen Seiten gewährleisten; der Anblick von Eisenstein und Türnitzer Höger erweist sich als ebenso beeindruckend wie der Blick zu den felsigen Hochalpen. Dazu kommt eine einmalige Blumenwelt, die das Auge erfreut. Der schöne Bestand an Bergahorn auf der Karnerhofspitze bildet immer wieder das Motiv für Berg- oder Landschaftskalender.

    Die Überschreitung ist auch eine beliebte Skitour, das "Sterngasserl" deutet an, dass sie zumindest bei schlechten Verhältnissen nicht ganz unproblematisch ist. In der schneelosen Zeit allerdings sind keinerlei Schwierigkeiten zu erwarten, nur einigermaßen ausdauernd sollte man schon sein.

    Im Jahre 1978 brannten die Schutzhütten auf dem Tirolerkogel und dem Eibl innerhalb weniger Wochen ab, Letztere blieb bis heute eine Ruine, während das Annabergerhaus neu entstand. Die Eibl-Teichhütte auf dem höchsten Punkt des ehemaligen Skibergs bildete dann einen guten Ersatz, doch wurde sie am vergangenen Gründonnerstag ein Opfer der Flammen. Somit gibt es auf der ganzen Strecke nur einen Stützpunkt.

    Die Route: Von der Bushaltestelle Annaberg geht es ein kurzes Stück auf der Bundesstraße ostwärts, dann zweigt man nach rechts auf die rote Markierung ab, die gemütlich zum Gscheid führt. Dann beginnt eine lange, zum Schluss stärkere Steigung, auf der man zum Annabergerhaus auf dem Tirolerkogel aufsteigt. Gehzeit 1½ Stunden. Zum Großteil über freies Gelände geht es - rot markiert - nach Nordosten, man steigt in den Sattel mit der Österleinbrunnhütte ab und erreicht im Gegenanstieg die Karnerhofspitze. Dann folgt ein längerer Abstieg und eine Querung zur ehemaligen Bergstation des Sessellifts auf dem Eibl. Gehzeit ab Tirolerkogel 2 Stunden.

    Nun folgt man dem unmarkierten, aber beschilderten Güterweg. Nach einer scharfen Linkskehre wechselt man nach rechts auf einen alten Karrenweg, der bei der Talstation der Rodelbahn endet. Von dort wandert man auf Asphalt nach Türnitz. Gehzeit ab dem Eibl 1¼ bis 1½ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/14.05.2011)

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      foto: österreich werbung/diejun
    • Gesamtgehzeit 4¾ bis 5 Stunden, Höhendifferenz im Aufstieg 500 Meter, im Abstieg 900 Meter. Annabergerhaus durchgehend offen (Montag und Dienstag Ruhetage). ÖK25V Blatt 4205-West (Türnitz), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000
      grafik: der standard

      Gesamtgehzeit 4¾ bis 5 Stunden, Höhendifferenz im Aufstieg 500 Meter, im Abstieg 900 Meter. Annabergerhaus durchgehend offen (Montag und Dienstag Ruhetage). ÖK25V Blatt 4205-West (Türnitz), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000

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