Android 3.1 ist da: Honeycomb, wie es von Anfang an sein hätte sollen

11. Mai 2011, 13:14
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Feinschliff, bessere Performance, überarbeiteter Browser und neue APIs für Entwickler

In einem beinahe schon atemberaubenden Tempo hat Google am Dienstag morgen (Ortszeit) die erste Keynote der EntwicklerInnenkonferenz Google I/O durchgezogen. So ist beinahe schon etwas untergegangen, dass das Unternehmen so ganz nebenbei eine neue Version seines mobilen Betriebssystems vorgestellt hat - und auch umgehend zur Verfügung stellt.

Xoom

Zumindest US-amerikanische NutzerInnen des Xoom-Tablets von Motorola können sich so über Android 3.1 freuen. Einen neuen Codenamen trägt diese Version nicht, das Update wird weiterhin als Honeycomb bezeichnet. Dies darf eigentlich nicht verwundern, scheint die neue Version doch vor allem unter dem Motto zu stehen: "Honeycomb, wie es von Anfang sein hätte sollen".

Neues

So listet Google in den offiziellen Release Notes zunächst mal vor allem Optimierungen am Bestehenden: Zahlreiche Animationen sollen nun flüssiger ablaufen, auch beim Design des Interface und bei der Farbauswahl hat man viel Feinschliff vorgenommen. Ein nettes Detail ist, dass der Druck auf den Home-Button im Überblicksmodus nun auf die zuletzt benutzte Oberfläche zurückkehrt.

Task Switcher

Darüber hinaus gibt es eine überarbeitete Ansicht des internen Speicherplatzes, für die Barrierefreiheit ist wichtig, dass Android 3.1 nun - auf Wunsch - durchgängig Audio-Feedback auf Eingaben bietet. Der Task Switcher, mit dem sich zwischen den aktuell genutzten Anwendungen wechseln lässt, kann nun gescrollt werden, womit sich mehr Apps darstellen lassen. Zudem können Widgets nun nach Belieben in ihrer Größe angepasst werden.

USB Host

Viel kritisiert wurde das Fehlen eines USB-Host-Modus bei der ersten Honeycomb-Version, diesen liefert man nun nach. Damit lassen sich neben Mäusen und Tastaturen auch Game-Controller von XBox 360 und Playstation 3 nutzen. Übrigens lassen sich solche Steuergeräte jetzt auch per Bluetooth verbinden. Verbesserungen verspricht man für die Qualität der WLAN-Verbindungen, hier hatte Android 3.0 noch mit Problemen zu kämpfen.

Browser

Zu den überarbeiteten Systemanwendungen gehört der Browser, bei dem man sich unter anderem der "Schnellsteuerung"  gewidmet hat. So werden offene Tabs nun hier als Thumbnails dargestellt. Zudem wurde auch die Browser-Basis aktualisiert, wodurch nun etwa Hardwarebeschleunigung zur Darstellung genutzt wird. Auch sonst soll die Performance spürbar gesteigert worden sein, etwa beim Zoomen von Seiten. Dazu kommt der Support für zusätzliche Web-Technologien wie 3D-CSS oder HTML5-Video. Außerdem können die UserInnen jetzt Seiten gezielt abspeichern, um sie später offline betrachten zu können. Bei Google-Seiten hat man den Login-Prozess vereinfacht.

Abgleich

Die Galerie-Anwendung beherrscht nun das Picture Transfer Protocol (PTP) damit Bilder direkt per USB von einer Kamera bezogen werden können. Das Kalenderraster hat man größer gemacht, bei den Kontakten gibt es jetzt eine Volltextsuche, die alle Felder gleichzeitig durchsucht. Die E-Mail-Anwendung sendet bei Android 3.1 von Haus aus sowohl eine Text- als auch eine HTML-Version, um Strom zu sparen, werden Mails automatisch nur mehr bei einer WLAN-Verbindung heruntergeladen.

Enterprise

Vor allem für den Enterprise-Bereich interessant: AdministratorInnen können für jede WLAN-Verbindung eigene Proxy-Einstellungen definieren. Neben der mit Android 3.0 eingeführten Verschlüsselung des Systems lässt sich jetzt auch eine Policy definieren, um Verschlüsselung auch bei SD-Karten zu erzwingen.

Plattform

Mindestens ebenso wichtig wie die "sichtbaren" Veränderungen scheinen die Verbesserungen an der Plattform, eröffnet man den EntwicklerInnen hier durchwegs spannende neue Möglichkeiten. Allen voran ist dabei wohl die Aufnahme des "Open Accessory"-APIs zu nennen, das einen standardisierten Weg zur Verbindung mit externen Geräten bietet.

Steuerung

Was sich damit alles so machen lässt zeigt man auf der Google I/O etwa mit einer überdimensionalen Version des Spiels Labyrinth, die von einem Honeycomb-Tablet ferngesteuert wird. Weitere Anwendungsbereiche sieht man von der Robotik bis zu Fitnessgeräten oder "musikalischen Experimenten". Was man damit meint, ist ebenfalls in den Hallen der Google I/O ausgestellt: Über ein Tablet wird hier ein reales Klavier gesteuert.

Start

Die Open-Accessory-APIs erlauben, dass beim Anstecken eines Geräts automatisch eine bestimmte Anwendung gestartet wird - oder diese alternativ gleich im Market gesucht wird. Wer sich für die Hintergründe und die gebotenen Möglichkeiten interessiert, kann hier mehr in der zugehörigen Dokumentation nachlesen. Ein interessantes Detail am Rande: Das Open Accessory API wurde auch auf "Gingerbread" rückportiert und ist in Android 2.3.4 für das Nexus S bereits enthalten.

Tablets only

Android 3.1 ist - wie sein Vorgänger auch - nur für Tablets gedacht, eine Zusammenführung mit der Smartphone-Version des Betriebssystems wird es erst mit der kommenden Plattformgeneration "Ice Cream Sandwich" geben, die man aktuell für das vierte Quartal 2011 anvisiert.

Kein Source Code

Dies bedeutet übrigens ebenfalls, dass es auch bei Android 3.1 vorerst keine Veröffentlichung des Source Codes geben wird. Auf die Kritik an diesem Vorgehen angesprochen, bemüht sich Android-Chefentwickler Andy Rubin zu betonen, dass der Source Code mit "Ice Cream Sandwich" auf jeden Fall wieder verfügbar sein wird. Die Verzögerung beruhe darauf, dass man für eine frühe Veröffentlichung einer Tablet-Version von Android einige "Abkürzungen" genommen habe, die nicht in Dritt-Firmware landen sollten.

SDK

Für EntwicklerInnen essentiell ist hingegen, das parallel zum Xoom-Update auch das Android 3.1 SDK veröffentlicht wurde, mit dem sich Anwendungen unter Nutzung der neuen Möglichkeiten entwickeln lassen. Die neue Version lässt sich über den Android SDK Manager installieren. (Andreas Proschofsky aus San Francisco, derStandard.at, 10.05.11)

  • Android 3.1, noch immer "Honeycomb".
    foto: andreas proschofsky

    Android 3.1, noch immer "Honeycomb".

  • Die Möglichkeiten der neuen "Open Accessory"-APIs demonstriert man anhand eines überdimensionalen Labyrinth-Spiels recht eindrücklich. Dieses lässt sich per Tablet steuern.
    foto: andreas proschofsky

    Die Möglichkeiten der neuen "Open Accessory"-APIs demonstriert man anhand eines überdimensionalen Labyrinth-Spiels recht eindrücklich. Dieses lässt sich per Tablet steuern.

  • Google weiß, was Smartphone-UserInnen wirklich wollen und bietet zahlreiche Ladestationen in Android-Form auf der Google I/O an.
    foto: andreas proschofsky

    Google weiß, was Smartphone-UserInnen wirklich wollen und bietet zahlreiche Ladestationen in Android-Form auf der Google I/O an.

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