Wie Tyrannosaurier-Kinder überlebten

9. Mai 2011, 21:06
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Einzigartiger Schädelfund gibt Hinweise auf die Lebensweise von jungen Raubsauriern

Athens/Wien - Sie gehörten mit einer Länge von bis zu 13 Metern zu den größten Fleischfressern, die je auf diesem Planeten lebten, und machten auch vor Artgenossen nicht Halt: Erst kürzlich fanden Paläontologen Hinweise darauf, dass Kannibalismus unter den Vertretern von Tyrannosaurus Rex viel verbreiteter war, als man angenommen hat (vgl. PLoS ONE Bd. 5, e13419). Und auch unter Halbstarken ging es ähnlich zu, wie eine andere Studie zeigte.

Wie aber schafften es die ziemlich kleinen Jungtiere von T. Rex, nicht ständig als Zwischenmahlzeit der Altvorderen zu enden? Antworten auf diese Frage fand nun ein internationales Forscherteam anhand des ersten vollständig erhaltenen Schädels eines jungen Tarbosaurus bataar, der wiederum der nächste Verwandte von Tyrannosaurus Rex war.

Im Vergleich zu den bis zu 1,5 Meter langen Schädeln ausgewachsener Tiere beträgt die Größe des Jungsaurierkopfs kaum 30 Zentimeter. Die Forscher schließen daraus, dass der Kleine rund drei Meter lang und knapp einen Meter hoch war. Er dürfte mit seinen zwei bis drei Jahren aber schon ein ziemlich flotter Räuber gewesen sein.

Wie die Forscher in der neuesten Ausgabe des Journal of Vertebrate Paleontology schreiben, hatten erwachsene Tyrannosaurier einen extrem kräftigen Biss, eine entsprechende Kiefermuskulatur und sogar spezialisierte Zähne. Von all dem ist bei Jungsaurierschädeln noch nichts zu sehen.

Die Wissenschafter gehen deshalb davon aus, dass die T.-Rex-Kinder einerseits kleinere und weniger gefährliche Tiere jagten. Andererseits dürften sie auch noch flink und wendig auf den Beinen gewesen sein, während die ausgewachsenen Tiere als vergleichsweise behäbige Räuber gelten.

Damit dürften die Jungtiere aber auch ganz andere Lebensräume bevölkert und nicht mit größeren Tyrannosauriern um ähnliches Futter konkurriert haben. Für Lawrence Witmer, dem Hauptautor der Studie, liegt darin eines der Überlebensgeheimnisse der kannibalischen Fleischfresser. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. Mai 2011)

  • Tyrannosaurus senior und junior (blau) im Größenvergleich: Der Schädel des 
Jungen lässt auf eine ganz andere Lebensweise schließen.
    illu: hayashibara museum

    Tyrannosaurus senior und junior (blau) im Größenvergleich: Der Schädel des Jungen lässt auf eine ganz andere Lebensweise schließen.

  • Ein weiterer Größenvergleich: Der Schädel eines zweijährigen Tarbosaurus bataar im Vordergrund, der eines Teenagers im Hintergrund und rechts ein ausgewachsener Tarbosaurus.
    bild: courtesy of witmerlab at ohio university

    Ein weiterer Größenvergleich: Der Schädel eines zweijährigen Tarbosaurus bataar im Vordergrund, der eines Teenagers im Hintergrund und rechts ein ausgewachsener Tarbosaurus.

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