Muslimbruderschaft gründet eigene Partei

30. April 2011, 17:32
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"Freiheits- und Gerechtigkeitspartei" hofft auf Hälfte der Mandate nach Parlamentswahl

Kairo - Die islamistische Muslimbruderschaft in Ägypten hat eine eigene Partei gegründet, um bei der Parlamentswahl im September offiziell antreten zu können. Die neue Freiheits- und Gerechtigkeitspartei werde zwar mit der Bewegung der Muslimbrüder kooperieren, sei aber von ihr unabhängig, sagte der Generalsekretär der Muslimbrüder, Mohammed Hussein, am Samstag in Kairo. Es handele sich nicht um eine "islamistische Partei im alten Sinne", betonte der neue Parteichef Mohammed al-Moursi. Die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei sei eine "zivile und keine theokratische Partei".

Die Muslimbrüder sind die größte oppositionelle Kraft des Landes. Allerdings waren sie bisher verboten und konnten bisher nur mit unabhängigen Kandidaten bei Wahlen antreten. Bei der Parlamentswahl im September will ihre neue Partei etwa die Hälfte der Mandate erringen. Befürchtungen, das neue Parlament könnte islamistisch dominiert sein, versuchen die Muslimbrüder zu zerstreuen und zeigen sich offen für Bündnisse mit weltlichen Parteien. Für die Präsidentschaftswahl im November wollen die Muslimbrüder keinen Kandidaten aufstellen.

"Gott ist unser Ziel"

Die Muslimbruderschaft (arabisch: "Jamiat al-Ikhwan al-Muslimun"), die in zahlreichen islamischen Ländern Ableger hat (etwa die palästinensische Hamas), war 1928 von dem ägyptischen Lehrer Hassan al-Banna gegründet worden. Sie folgt der Devise: "Gott ist unser Ziel, der Koran unsere Verfassung".

1954 war die Muslimbruderschaft vom ägyptischen Revolutionsregime unter Gamal Abd al-Nasser verboten worden, zahlreiche ihrer Führer wurden zum Tode verurteilt, danach wurde sie aber wieder vorübergehend legalisiert. Nach der Ermordung des Präsidenten Anwar al-Sadat 1981 ging dessen Nachfolger Hosni Mubarak mit aller Härte gegen islamistische Gruppen vor. Bei den Parlamentswahlen 2005 hatte die Muslimbruderschaft nominell unabhängige Kandidaten antreten lassen und sich mit ihnen rund 20 Prozent der Stimmen geholt. (APA)

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    Das Hauptquartier der neuen Muslimbrüder-Partei

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