Plan A und die Hoffnung, dass er aufgeht

29. April 2011, 19:05
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Vor dem WM-Auftakt gegen die USA hat Teamchef Bill Gilligan das Thema Thomas Vanek abgehakt. Er setzt diszipliniertes Auftreten seiner Spieler voraus, dann könne Österreich auch mit starken Gegnern mithalten.

Man müsse, so heißt es über die zweitgrößte Stadt der Slowakei, schon in ihren Kern vordringen, wolle man mit Sehenswertem belohnt werden. Seit Freitag, da in Kosice die 75. Eishockey-WM begann, stimmt das nicht mehr ganz. Doch ist die Steel-Arena, benannt nach dem US-Unternehmen, das sich anno 2000 die ostslowakischen Stahlwerke einverleibt hat, vom Stadtkern immerhin per pedes zu erreichen. Für Österreich gehen die Titelkämpfe am Samstag (16.15 Uhr, ORF Sport plus) gegen die USA los, Titelkämpfe ist freilich relativ, aus österreichischer Sicht wird es sich eher um Nur-nicht-absteigen-Kämpfe handeln.

Die Absage von Thomas Vanek ist im Teamhotel Yasmin, das ebenfalls knapp außerhalb des Kosice-Kerns liegt, am Freitag nur noch kurz ein Thema gewesen. Natürlich sagte Teamchef Bill Gilligan, dass es "natürlich super gewesen" wäre, wäre Vanek ab dem zweiten oder auch erst ab dem dritten Match zur Verfügung gestanden. Der steirische Stürmerstar der Buffalo Sabres hatte schon zugesagt, ehe ihm sein NHL-Klub die Freigabe verweigerte. Vanek soll eine Sehnenverletzung im rechten Mittelfinger ausheilen. Gilligan: "Kurz haben wir schon an Plan B gedacht, jetzt konzentrieren wir uns halt wieder auf Plan A." Dieser Plan habe immerhin den Vorteil, dass man ihn schon länger verfolge.

Vanek ohne Training, ohne Spiel von heute auf morgen zu integrieren, hätte vielleicht auch Probleme mit sich gebracht. Gilligan hätte die Linien umstellen müssen, der eine oder andere wäre vielleicht unzufrieden gewesen, die Stimmung in der Kabine hätte leiden können. Derzeit ist sie gut, die Stimmung, die jüngsten Testspielresultate (3:4 gegen die Slowakei, 2:3 gegen die USA) trugen dazu bei. "Wenn wir diszipliniert spielen, können wir mithalten", sagt Österreichs Teamchef.

Enge Räume, kaltes Blut

Unter Disziplin versteht Gilligan nicht nur das Vermeiden unnötiger Fouls und Strafen. Sondern auch das bedingungslose Erfüllen von defensiven Aufgaben, speziell das Engmachen der Räume vor dem eigenen Tor, und die Kaltblütigkeit vor dem gegnerischen Tor. Ob es eine gute Idee war, den letzten WM-Test just gegen den ersten WM-Gegner zu bestreiten, wird sich weisen. Österreich wird die USA am Samstag wohl kaum überraschen können. Diesen Nachteil nahm Gilligan bewusst in Kauf. "Uns war es wichtig, möglichst viele Spiele auf diesem Niveau zu absolvieren."

So oder so rechnen sich die Österreicher auch gegen die USA eine Chance aus, bei Gilligan klingt das dann so: "Wir sind nicht chancenlos meiner Meinung nach." Mit dieser Einstellung werde man auch in die weiteren Gruppenspiele gehen, in jenes am Montag gegen Schweden, erst recht in jenes am Mittwoch gegen Norwegen. Allgemein wird erwartet, dass die Norwegen-Partie über Zwischen- oder Abstiegsrunde entscheidet. Nur wenn die Österreicher gegen den Abstieg spielen, werden sie auch in Bratislava zu sehen sein.

Noch ein Wort zu Kosice, ein wichtiges. Die Stadt besteht darauf, dass sie "Koschitze" genannt wird und nicht, wie von vielen Besuchern, "Kositsche". Sei es im Kern, sei es außerhalb. (Fritz Neumann aus Kosice, DER STANDARD Printausgabe, 30.4. 2011)

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    Die doppelköpfige Schildkröte Magdalena - ein Kopf heißt Magda, der andere Lena - soll WM-Ergebnisse vorhersagen

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