Kate gelobt Treue, aber nicht Gehorsam

28. April 2011, 18:29
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Am Freitag geben Prinz William und Kate Middleton einander in der Londoner Westminster Abbey das Jawort – Die Gästeliste für die Zeremonie sorgte bis zuletzt für Kritik und wurde kurzfristig noch geändert

London - Gut fünf Monate nach Bekanntgabe ihrer Verlobung steht London am heutigen Freitag ganz im Zeichen der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton. Der eigens ausgerufene Feiertag läutet ein verlängertes Wochenende ein, dessen Produktionsausfall Experten auf mehrere Milliarden Pfund beziffern. Die Financial Times kam auf rund sechs Mrd. Pfund (6,7 Mrd. Euro).

Gleichzeitig erhält Großbritannien einen hohen, schwer bezifferbaren Imagegewinn, schließlich verfolgen weltweit geschätzt bis zu zwei Milliarden Menschen das Medien-Event live im TV. Mehrere hunderttausend Briten und Touristen aus aller Welt wollen die Straßen der Innenstadt säumen. Einige Fans haben schon ein oder mehrere Nächte vor der Hochzeitskirche in Zelten verbracht.

Die Heirat stelle "die Monarchie als Ware und Markenartikel für alles Britische" dar, argumentiert der Historiker und Labour-Abgeordnete Tristram Hunt. "Wir sollten unseren kosmopolitischen Zynismus beiseite lassen und Großbritannien als Land lebender Geschichte verkaufen."

Politische "Peinlichkeiten"

Am Donnerstag machte sich zunächst noch die Gegenwart bemerkbar. Nach massiver Kritik verfügte Außenminister William Hague die Ausladung des syrischen Botschafters von der Trauung in der Westminster Abbey. Die Entscheidung sei "in Absprache mit dem Palast" gefallen, erklärte eine Sprecherin des Foreign Office. Das Regime des in London zum Augenarzt ausgebildeten syrischen Staatschefs Bashar al-Assad hat in den vergangenen Wochen hunderte Demonstranten erschossen.

Botschafter Sami Khiyami teilte der BBC mit, er halte die Entscheidung für "ein bisschen peinlich", ließ dabei aber offen, für wen. Eine weitere Peinlichkeit blieb dem Königshaus nur erspart, weil der Kronzprinz von Bahrain seine Einladung ausschlug. Auch der autokratische Kleinstaat am Persischen Golf ließ seine Demokratiebewegung blutig niederschlagen: Gestern wurden drei Beteiligte zum Tode verurteilt.

Kein Platz für Labour

Londoner Medien haben in den vergangenen Tagen lautstark auf die Diskrepanz hingewiesen zwischen den eingeladenen Vertretern von Despoten-Regimen wie Simbabwe und Saudi-Arabien einerseits und den beiden früheren Premierministern Tony Blair und Gordon Brown andererseits, die außen vor bleiben müssen.

Die Erklärung des Palasts: Es sei eben "eine private Hochzeit". The Times urteilte, die Nichteinladung für die demokratisch gewählten Ex-Regierungschefs sei "ein Schnitzer". Da die 85-jährige Margaret Thatcher dem Gottesdienst aus gesundheitlichen Gründen fernbleibt, wird als einziger Ex-Premier der Konservative John Major anwesend sein.

Wie die 1900 anderen Gäste konnte Major am Donnerstag bei der Generalprobe schon einmal die Lieder üben, welche die Gemeinde heute singen wird. Neben der britischen Nationalhymne God Save the Queen, die der Rugby-Fan William Windsor bis zur eigenen Thronbesteigung noch mitsingen darf, erklingt auch die inoffizielle walisische Hymne Cwm Rhondda in der kirchlichen Version Guide me, O thou great redeemer ("Führe mich, Erlöser"). Die Trauung des Paares vollzieht der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams.

Prinzessin Catherine gelobt ihrem Mann zwar Liebe und Treue, aber nicht Gehorsam, wie es die alte Version der anglikanischen Trauung vorsieht. Auch Prinzessin Diana hatte bei der Hochzeit mit Prinz Charles das im Hause Windsor eigentlich obligatorische Gehorsamsversprechen weggelassen. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2011)

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    Fans harrten schon seit Tagen vor der Feier vor der Westminster Abbey in London aus.

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    Mehrere tausend Polizeibeamte sind im Einsatz.

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