Zahl der Tornado-Toten stieg auf 300

28. April 2011, 20:08
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Allein in Alabama rund 200 Menschen ums Leben gekommen - Atommeiler schaltete sich ab – Obama ordnet Hilfe für betroffene US-Bundesstaaten an

Washington - Bei einer der schlimmsten Tornado-Serien seit Jahrzehnten sind im Süden der USA fast 300 Menschen ums Leben gekommen. Wie der US-Sender CNN berichtete, wurden bis zum späten Donnerstagabend mindestens 285 Leichen geborgen. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP kamen in den mehrtägigen Unwettern mindestens 295 Menschen um. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch steigen könnte.

Am schlimmsten betroffen war der US-Staat Alabama, wo nach Angaben der Behörden allein 198 Menschen durch die Wirbelstürme starben. 1.700 weitere seien dort verletzt worden. Auch in fünf weiteren Bundesstaaten gab es Todesopfer. Fast eine Million Haushalte war ohne Strom.

Atommeiler betroffen

Durch den Sturm wurde in Alabama ein Atommeiler nahe Athens von der Stromversorgung abgeschnitten. Die drei Reaktoren schalteten sich automatisch ab.

Streckenweise fegten die Wirbelstürme mit über 300 Stundenkilometern über das Land. Meteorologen zählten insgesamt über 150 Tornados. Bewohner und Rettungskräfte suchen weiter unter den Trümmern nach Überlebenden. Mehr als 10.000 Menschen sind obdachlos.

Präsident nimmt Anteil

Präsident Obama zeigte sich erschüttert: "Der Verlust an Menschenleben ist herzzerreißend", sagte er im Weißen Haus. Es handle sich um die schwersten Wirbelstürme seit Jahrzehnten. Der Präsident sagte den Menschen Hilfe zu. Die Regierung lasse die Betroffenen beim Wiederaufbau nicht allein. Obama wollte am Freitag in das Katastrophengebiet nach Alabama reisen.

Chaos

Epizentrum der Katastrophe war Tuscaloosa: Ein riesiger Tornado fegte mit einer Breite von 1,5 Kilometern über die Stadt. "Es war ein Monster", sagte ein Augenzeuge. Innerhalb von Minuten machte der Wirbelsturm ganze Straßenzüge dem Erdboden gleich. Autos wurden durch die Luft gewirbelt. "Es ist ein Chaos", sagte eine Überlebende. Bürgermeister Walter Maddox fasste die Lage erschüttert zusammen: "Bitte betet für uns."

Dutzende Todesopfer und schwere Verwüstungen gab es auch in den Staaten Mississippi, Arkansas, Georgia und Tennessee. Fünf Menschen starben in Virginia. Siedlungen wurden zerstört. In Alabama, Mississippi und Georgia wurde der Notstand ausgerufen.

Viele Menschen eingeschlossen

Am Donnerstag waren vor allem in Alabama noch viele Menschen in den Trümmern ihrer Häuser eingeschlossen. Wegen der vielen umgestürzten Bäume und Schuttberge konnten sich die Rettungsmannschaften in manchen Gebieten erst am Donnerstag - teils 24 Stunden nach den Unwettern - einen Weg durch die Trümmerhalden bahnen.

Die Schäden seien so weit verbreitet, dass es wahrscheinlich Tage dauern werde, bis das Ausmaß der Katastrophe feststehe, erklärte Alabamas Gouverneur Robert Bentley. Er rief 2.000 Nationalgardisten zur Hilfe, um nach Überlebenden zu suchen. Rettungsmannschaften waren bereits die Nacht auf Donnerstag über im Einsatz, "bis zur Erschöpfung", schilderten lokale Medien. "Sie arbeiten bis zum Umfallen."

Nach Angaben des US-Wetterdienstes trafen aus dem Süden allein am Mittwoch 150 Berichte über Tornados ein. Das entspricht fast der durchschnittlichen Zahl in den USA im gesamten Monat April. "Es könnte der schlimmste Tornado-Ausbruch der US-Geschichte sein", sagte am Donnerstag der CNN-Meteorologe Sean Morris. (APA)

  • In den USA steigen nach den schweren Unwettern die Opferzahlen. Bisher kamen rund 300 Menschen ums Leben, die meisten davon in Alabama.

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    Zahlreiche Todesopfer und schwere Zerstörungen gab es in der Stadt Tuscaloosa in Alabama.

  • Tornado TornadoLinks: Notstandsgebiet nach den Unwettern
    Rechts: Schaubild zur Entstehung eines Tornados

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