Es gibt ein Leben nach der Flotte

2. März 2005, 16:52
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Große Flotten zu beliefern, das bedeutet für Importeure Geschäft und Imagefaktor zugleich - Was aber passiert mit den Fahrzeugen, wenn ihr erstes Leben abgelaufen ist? DER STANDARD ist dieser Frage nachgegangen

Der grundsätzliche Wunsch aller großen Automobilhersteller ist es, ein Modellangebot zur Verfügung stellen zu können, das vom Kleinwagen über die Luxuslimousine bis hin zum Lkw reicht. Denn nur so ist es möglich, auch große Flotten mit einer Marke zu beliefern. Klassische Beispiele dafür sind Marken wie Volkswagen (den Schwer-Lkw-Bereich würde hier noch die Beteilung am schwedischen Scania-Konzern abdecken) und Mercedes, wenngleich auch andere Hersteller komplette Pakete anzubieten in der Lage sind.

So benötigen Kunden beispielsweise Stadtlieferwagen ebenso wie Fahrzeuge für den Außendienst und kleine Lkw für den Transport von Ware. Klar, dass dann auch die Chefetage auf Modelle dieser Marke setzt oder zumindest setzen will. Je nach Beanspruchung werden solche Flotten alle drei bis fünf Jahre (Ausnahme sind die Leihwagenunternehmen, die zumeist alle sechs Monate umsteigen) gewechselt - womit die für das Flottenmanagment verantwortliche Firma auf einen Schlag eine große Anzahl an Gebrauchtwagen zurückbekommt.

Keine Angst vorm Wechsel

Günter Bernhart, Markenleiter Gebrauchtwagen bei Porsche Wien-Liesing, hat dennoch keine Angst, wenn große Flotten gewechselt werden. Je nach Vertrag bekommt der Kunde eine im Vorhinein vereinbarte Summe für jedes Modell, wobei Wertminderungen von einem unabhängigen Sachverständigen festgestellt werden. Alle Fahrzeuge kommen dann in ein so genanntes Auffanglager und werden an den Meistbieter abgegeben.

Dies funktioniert sowohl über Versteigerungen als auch über das Internet und über Händler, die solche Fahrzeuge einkaufen. Entscheidend für den Wert sind einmal mehr die Marke, die Farbe und die Ausstattung der einzelnen Modelle. Bei einer Flotte dunkelblauer Golf-TDI-Modelle mit guter Komfortausstattung dauert diese Abwicklung demnach nur wenige Tage. Eine Flotte orangefarbiger Einstiegsmodelle eines koreanischen Herstellers vernünftig weiterzubringen bedarf jedoch einiger Arbeit und somit auch einer gewissen Zeit, so Bernhart weiter.

Preisdefinitionen

Ein ähnliches Bild bietet sich auch im Nutzfahrzeugbereich dar. Albert Haberkorn ist im Neuwagen-Nutzfahrzeugverkauf bei der Pappas Gruppe auch für Transporterflotten zuständig und geht hinsichtlich der Verwertung von ausgeschiedenen Flotten ähnlich vor. Der Kunde bekommt einen schon beim Kauf der Neuwagen definierten Preis für sein altes Fahrzeug. Dieses wird anschließend komplett aufbereitet und mit einer Gebrauchtwagengarantie versehen. In weiterer Folge warten diese Modelle dann auf den konzerneigenen Gebrauchtwagenstandorten auf neue Käufer.

Ganz anders die Vorgangsweise bei den markenunabhängigen Anbietern von Flottenmanagement. Hier wird zum Bestpreis international eingekauft und verkauft. So kann es passieren, dass Flotten in Spanien erworben werden, um sodann in Deutschland für einige Monate als Leihwagen zu laufen und dann in Italien an Endkunden ausgeliefert zu werden. Vinzenz Pflanz vertritt diesbezüglich die Agenden der ASL GmbH, die zu den größten Leasingunternehmen in Deutschland zählt und mit ihrer Österreich-Tochter sehr aktiv mit der Verwertung von Flotten beschäftigt ist. Je nach Menge der Rückläufer werden diese entweder gleich in Österreich verkauft oder nach teilweise erfolgter Rückholung der Normverbrauchsabgabe (NoVA) in ganz Europa angeboten.

Guter Servicegrad

Eines ist diesen Modellen gemein: Sie alle verfügen meist über einen guten Servicegrad, über verhältnismäßige hohe Kilometerleistungen innerhalb kurzer Zeit und sind somit für ein weiteres Leben in privater Hand bestens gerüstet. Zumal sie sich hinsichtlich Defekthäufigkeit in keinster Art und Weise negativ von den Gebrauchtwagen aus Privathand abheben. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 16.5.2003)

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    montage: derstandard.at
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