Briefporto wird mit 1. Mai teurer

27. April 2011, 13:51
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Wie angekündigt, ändert die Post ihre Tarife und wird bei ihrer Hauptversammlung drei neue Aufsichtsräte absegnen

Wien - Die Post lädt am Donnerstag zur ordentlichen Hauptversammlung, bei der drei neue Aufsichtsräte abgesegnet werden sollen. Drei Tage später, am 1. Mai, ändert die Post wie angekündigt die Tarife für Briefe. Sie werden künftig nach Volumen und nicht mehr nach Gewicht verrechnet. Der klassische Brief verteuert sich damit von 55 auf 62 Cent. Die Aktionäre dürfen sich hingegen freuen - sie erhalten 1,60 statt 1,50 Euro Dividende. Der Kurs der Postaktie lag Mittwochmittag bei 24,07 Euro je Aktie, ein Plus von 0,35 Prozent zum Vortag. Der Ausgabepreis lag bei 19 Euro.

Rochaden

Aufsichtsratschef und Noch-ÖIAG-Boss Peter Michaelis scheidet ebenso wie OMV-Chef Gerhard Roiss und Casinos-General Karl Stoss aus dem Aufsichtsrat der teilstaatlichen börsenotierten Post AG aus. Sie sollen durch Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) sowie Markus Pichler, Unibail-Rodamco-Österreich-Chef (Donauzentrum- und SCS-Eigentümer) und Elisabeth Stadler, Chefin der Ergo Versicherung, ersetzt werden. Michaelis verlässt mit Ende Juni den Chefsessel der Staatsholding ÖIAG, ihm folgt Beyrer nach. Es gilt daher als fix, dass Beyrer auch der künftige Aufsichtsratspräsident der Post wird. An ihr hält der Staat über die ÖIAG 53 Prozent.

Mit Überraschungen wird bei der Hauptversammlung (HV) nicht gerechnet. Postchef Pölzl steuert das Unternehmen im ruhigen Fahrwasser, die Aufregung über Postämterschließungen und der Verlagerung von Postlern zur Polizei hat sich gelegt. Lediglich mit dem obersten Christgewerkschafter in der Post, Manfred Wiedner, hat Pölzl seine Not. Wiedner, der wiederholt den Rücktritt von Pölzl gefordert hat, sah sich zuletzt mit einer Klage der Post konfrontiert, wonach er Besitztümer der Post widerrechtlich für den Wahlkampf zur Belegschaftsvertretung im September 2010 eingesetzt haben soll. Bei dieser Wahl hatte Wiedner der Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter (FSG), die eher einen konsensualen Kurs mit der Geschäftsführung verfolgte, eine schwere Schlappe zugefügt. Die FSG verlor 8,4 Prozent und hält nun 51,5 Prozent, die FCG hingegen legte um 6,8 Prozent zu und erreichte 42,9 Prozent. Damit haben Rote und Schwarze bei der traditionell "Roten Post" Gleichstand bei den Mandaten. Das Verfahren gegen Wiedner ist anhängig, im schlimmsten Fall könnte er seinen beamteten Job verlieren.

Fall des letzten Monopols

Mit 1. Jänner 2011 hat die Post AG ihr letztes Monopol verloren - jenes auf Briefe bis zu einem Gewicht von 50 Gramm. Bisher hat sich aber noch kein Konkurrent gefunden, der der Post hier ernsthafte Konkurrenz machen könnte. Um potenziellen Einsteigern wie die Deutsche Post erst gar nicht auf den Gusto kommen zu lassen, hat Pölzl das Briefporto gestrafft. Statt 14 gibt es künftig fünf Produkttarife: Standard, Standard+, Maxi, Maxi+ und Großbrief. Damit wolle man Selbstbedienungsfähigkeit und erleichterte Abgabe unterstützen, so die Post. Geschäftskunden haben künftig die Wahl zwischen verschiedenen Zustellgeschwindigkeiten. Ein "Premium-Produkt" sichert die Briefzustellung am nächsten Werktag, ein günstigeres "Economy-Produkt" für größere Mengen wird für die Briefzustellung innerhalb von zwei bis drei Tagen angeboten. Für einen Durchschnittshaushalt erhöhen sich laut Pölzl die Portokosten um zwei Euro im Jahr.

Neben der Preiserhöhung setzt die Post bei ihrer Cash Cow Briefzustellung auch auf die Diskont-Tochter Feibra. Im Gegensatz zur Mutter, wo die Mitarbeiter beamtet oder angestellt sind, beschäftigt die Feibra größtenteils freie Dienstnehmer. Weiters wurden die Divisionen Brief und Filialgeschäft zusammengelegt, dies will die Post bis zum Jahresende abgeschlossen haben. Die Zahl der Postämter wurde unter Pölzl noch einmal erheblich reduziert. Zuletzt hatte die Post insgesamt 1.866 Geschäftsstellen, davon wurden 866 noch von dem Ex-Monopolisten betrieben. Ende 2011 soll es 2.000 Geschäftsstellen geben, die Zahl der Ämter könnte dann bis auf 520 gesunken sein. 2011 muss auch Pölzl seine Poststelle zudrehen - im August übersiedelt die Konzernzentrale von der Postgasse im 1. Bezirk in das etwas abgelegenere Erdberg. Für fünf Jahre wurden dort rund 20.000 Quadratmeter Bestandsfläche angemietet.

Anfang des heurigen Jahres hatten Bawag und Post bekanntgegeben, dass die Bank eine zweistellige Millionensumme in das Filialnetz der Post investieren will. Bis Ende 2012 wollen die beiden Häuser rund 520 gemeinsame Geschäftsstellen österreichweit in Betrieb nehmen. (APA)

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    Neben der Preiserhöhung setzt die Post bei ihrer Cash Cow Briefzustellung auch auf die Diskont-Tochter Feibra.

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