Teure Nahrung treibt Millionen in Armut

26. April 2011, 13:27
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Wegen der stark steigenden Lebensmittelpreise sind Millionen Menschen in Asien von extremer Armut bedroht

Millionen Menschen in Asien sind wegen der stark steigenden Lebensmittelpreise nach Einschätzung der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) von extremer Armut bedroht. Außerdem könnte der Wirtschaftsaufschwung in der Region in Gefahr geraten. Für die Menschen in der Region waren heimische Lebensmittel in den ersten beiden Monaten des Jahres um etwa zehn Prozent teurer, Importwaren sogar um 30 Prozent.

Bleibe es bei diesen Teuerungsraten, könnten weitere 64 Millionen Menschen in den asiatischen Staaten - insgesamt zwei Prozent der Gesamtbevölkerung - unter die Armutsgrenze rutschen. "Schnelle und anhaltende Preissteigerungen bei vielen asiatischen Grundnahrungsmitteln seit Mitte vergangenen Jahres, zusammen mit dem 31-Monats-Hoch bei Erdöl im März, sind ein ernsthafter Rückschlag für die Region", so die ADB-Experten.

Zahl der Preisschocks nimmt zu

Die Zahl der Preisschocks bei Lebensmitteln hat nach Einschätzung der ADB zuletzt zugenommen. Das mache deutlich, dass Investitionen in die Landwirtschaft und eine höhere Produktivität der Bauern nötig seien. Die steigenden Lebensmittelpreise sind ein wichtiger Grund für die anziehende Inflation in China. Die Teuerungsrate könnte dort im April weiter anziehen und auf 5,5 Prozent steigen. Die Führung in Peking strebt eine Teuerungsrate von vier Prozent an. Sie fürchtet soziale Unruhen, sollte die Inflation außer Kontrolle geraten.

Zuletzt hatte auch die FAO (die in Rom ansässige UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft) gewarnt, dass die Nahrungsmittelpreise deutlich zulegen.
Die Preise würden höchstwahrscheinlich auch in den kommenden Monaten hoch bleiben. Dies sei sehr zum Nachteil der armen Länder, die schon jetzt große Probleme hätten, ausreichend Nahrung zu importieren. Außerdem würden die Armen leiden, die den Großteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssten.

Fischler erwartet Platzen der Agrarrohstoff-Preisblase

Der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler erwartet indes ein Platzen der Preisblase bei Agrarrohstoffen. Derzeit seien die Preise eindeutig zu hoch, sagte er dem "Kurier": "Die Blase wird platzen wie das Amen im Gebet. Mittlerweile ist das Volumen der Spekulationen schon 15 Mal größer als der Wert der Agrarproduktion." Für die nächsten zehn Jahre erwartet Fischler noch zwei bis drei weitere Blasen: "Je unsicherer der Markt, desto interessanter werden Spekulationen, damit verstärkt sich die Thematik von selbst."

Dazu würden immer mehr Missernten infolge des Klimawandels und die Verwendung von Rohstoffen für Biosprit kommen. Zwar seien Grundnahrungsmittel in den letzten 30 Jahren billiger geworden, doch dieser langfristige Trend werde von "kurzfristigen Bocksprüngen wie 2008/09 und jetzt" überlagert. "Die Blasen platzen und die Preise fallen ins Bodenlose. Darunter leidet der reale Markt und das stelle Produzenten und Konsumenten vor allem in den Entwicklungsländern vor existenzielle Probleme", bestätigt auch Fischer die Brisanz der Lage.

Österreicher kaufen mehr heimische Lebensmittel

Die Österreicher sind indes überwiegend in der glücklichen Situation, hinsichtlich ihrer Ernährung eine Wahl treffen zu können. 78 Prozent achten beim täglichen Einkauf darauf, regionale Produkte zu erwerben, auch wenn diese teurer sind als Importware. So kauft auch ein Drittel mehr österreichische Lebensmittel als vor fünf Jahren, ergab eine Umfrage des Linzer Market-Instituts im Auftrag der Österreichischen Hagelversicherung.

"Fukushima hat eine neue Debatte über Lebensmittel ausgelöst, mit heimischen Produkten ist man auf der sicheren Seite", sagte Umweltminister Niki Berlakovich. "Generell müssen Lebensmittel wieder mehr Wert bekommen, Klasse statt die Masse muss forciert werden", so der Minister. Für Werner Beutelmeyer, Leiter des Marktforschungsinstituts, ist der Wandel der Werte ermutigend: "Die Begeisterung für den ländlichen Raum nimmt zu, wir sind am richtigen Weg."

Klimafreundliche Produkte im Kommen

Bei gleichem Preis würden sich 96 Prozent für das regionale Lebensmittel entscheiden, zwei Drittel der Österreicher legen zudem großen Wert auf klimafreundliche Produkte mit kurzen Transportwegen. Gleichzeitig sehen 91 Prozent der Befragten im Kauf österreichischer Lebensmittel einen Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung. "Wichtig für die Konsumenten ist, dass österreichische Produkte besonders gekennzeichnet sind", erläuterte Beutelmeyer. Befragt wurden 500 Österreicher ab 18 Jahre.

Im Jahr 2010 haben österreichische Haushalte insgesamt 23,5 Milliarden Euro für Lebensmittel ausgegeben. Der Wert der Lebensmittelimporte betrug 10,9 Milliarden Euro. (APA/red)

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    Bleibt es bei diesen Teuerungsraten, könnten weitere 64 Millionen Menschen in den asiatischen Staaten - das sind etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung - unter die Armutsgrenze rutschen.

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