Woran man im Eishockey glauben kann

25. April 2011, 17:30
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Selten zählt Statistik mehr als im Eishockey. Nicht immer ist Ver­lass darauf. So stellen sich Län­derspiel­bilanzen Österreichs zweifelhaft dar

Innsbruck/Wien - Manches kann einem schon seltsam vorkommen im österreichischen Eishockey. So spielt das Nationalteam zweimal en suite gegen die USA - zunächst am Mittwoch (20.15, ORF Sport Plus, laola1.tv) im letzten WM-Test in Innsbruck, hernach am Samstag im ersten WM-Spiel in Kosice. Einige Fragen bleiben unbeantwortet. Kann und soll man in einer solchen Probe volles Tempo gehen? Und falls man es tut, beraubt man sich dann nicht selbst der Chance, den hohen Favoriten zum WM-Auftakt vielleicht zu überraschen?

Österreichs Verband pflegt einen guten Kontakt zum US-Verband, der Test war schon lange vereinbart. Natürlich wird Teamchef Bill Gilligan die eine oder andere Variante ausprobieren, im Großen und Ganzen aber stehen die Linien für die WM. Ein Platz bleibt frei in der Hoffnung auf entweder Thomas Vanek oder Andreas Nödl, von denen einer am Dienstag im NHL-Playoff ausscheidet. So oder so ist die Hoffnung, dass der Ausgeschiedene auch wirklich zur WM reisen will, enden wollend.

Weder für Österreich noch für die USA sollten die Spiele, beide Spiele, entscheidend ins Gewicht fallen. Die USA orientieren sich Richtung Zwischenrunde und Viertelfinale. Für Österreich gibt es, wie bei jeder WM, schon in der Vorrunde quasi ein Finalspiel gegen den einen Gegner, der noch in etwa dieselbe Kragenweite hat. In diesem Fall, bei dieser WM und in dieser Gruppe (C), wird dieser Gegner Norwegen heißen.

Auf dem Papier ist Österreich in den drei Gruppenspielen, also gegen die USA, Schweden (Montag) und Norwegen (Mittwoch, 4. Mai) Außenseiter. Wobei das mit dem Papier so eine Sache ist, man weiß schon nicht mehr, wem man noch glauben kann. Dem Eishockeyverband Österreichs (ÖEHV) glaubt man besser nicht. Der führt beispielsweise in der Bilanz gegen die USA auch ein Spiel der Universiade 2005, die in Innsbruck stieg. Den Österreichern war die Universiade wichtig, den USA war sie wurscht, Österreichs Männer also besiegten Amerikas Burschen mit 8:1.

Für den ÖEHV, aber nur für den ÖEHV, war es ein offizielles Länderspiel, er hat seitdem drei österreichische Siege gegen die USA zu Buche stehen. An den zwei Unentschieden und 22 Niederlagen rütteln die Österreicher natürlich nicht, die USA sind und bleiben gegen Österreich hoher Favorit. Für die Schweden gilt Ähnliches. Zwei Siege, zwei Remis, zwölf Niederlagen, aus österreichischer Sicht. Gegen Norwegen gab's immerhin 13 Siege und fünf Remis, wenn auch 23 Niederlagen. Viele Norweger spielen in der schwedischen Liga und sind schnelles, körperbetontes Eishockey gewöhnt. Auch die norwegische Liga steht vom Tempo her über der österreichischen.

Sechsmal ist es zuletzt hin und her gegangen für das ÖEHV-Team, das 2005, 2007 und 2009 abstieg, um jeweils postwendend den Wiederaufstieg zu schaffen. Die WM in der Slowakei wäre ein guter Anlass, den Paternoster zu stoppen, ist sie doch die letzte im aktuellen Modus. Für die WM 2012 sind zwei Achtergruppen vorgesehen, aus denen jeweils vier Teams das Viertelfinale erreichen. Für Österreich hätte dieser Modus den Charme von sieben Spielen, die über den Klassenerhalt entscheiden könnten. Andererseits steigen die beiden Gruppenletzten automatisch ab, ganz ohne Relegation. Insgesamt wird sich die Anzahl der WM-Spiele von 56 auf 64 erhöhen, damit steigen die Zuseherzahl und der Werbewert. Mit oder ohne Österreich. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 26. April 2011)

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