Polizei nahm zu Ostern Christen fest

24. April 2011, 10:24
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Behörden nehmen Shouwang-Kirche ins Visier - Kommunistische Führung fürchtet "Jasmin-Revolution" - Hausgemeinden widersetzen sich staatlicher Kontrolle

Peking - In Peking hat die Polizei am Ostersonntag Dutzende von Christen festgenommen, die sich unter freiem Himmel zu einem Gottesdienst versammeln wollten. Die Mitglieder der von den chinesischen Behörden ins Visier genommenen Shouwang-Kirche wurden in Busse verfrachtet, nachdem sie auf dem Fußgängerweg erschienen, an dem sie am Sonntag gemeinsam beten wollen. Bei ihrer Festnahme sangen sie Kirchenlieder. Es handelte sich um zahlreiche junge Erwachsene.

Nach Angaben eines Kirchenmitglieds befindet sich rund ein Dutzend führender Vertreter unter Hausarrest oder wurde festgenommen. Viele der etwa 1000 Mitglieder hätten beschlossen, für sich alleine oder in kleinen Gruppen zu beten. Landesweit allerdings konnten Millionen von Christen ungehindert ihre Ostergottesdienste feiern.

Die Volksaufstände in der arabischen Welt machen die kommunistische Führung derzeit besonders hellhörig. Demonstrationen für eine "Jasmin-Revolution" auch in der Volksrepublik versucht sie im Keim zu ersticken. Viele Dutzende - wenn nicht Hunderte - von Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten wurden festgenommen. Zahlreiche blieben in Haft, darunter der bekannte Künstler Ai Weiwei. Ihm werden Wirtschaftsvergehen zur Last gelegt. Seine Familie weist diese Vorwürfe zurück.

Shouwang-Kirche "Organisation ohne rechtliche Grundlage"

Die Shouwang-Kirche, deren Name "Wachturm" bedeutet, hat den Unmut der Behörden auf sich gezogen. Ein Sprecher des Außenministeriums bezeichnete sie als "Organisation ohne rechtliche Grundlage". Die Kirche sah sich gezwungen, ihre Gottesdienste draußen zu feiern, nachdem ihr angemietete Räumlichkeiten entzogen wurden. Kirchenobere sagten, sie hätten keine politischen Ziele, sondern wollten nur einen dauerhaften Ort für ihre Gottesdienste finden. Sie wehren sich aber dagegen, dass Kirchen unter direkter Aufsicht der Kommunistischen Partei stehen sollen.

In den vergangenen Jahren hatte die chinesische Regierung Restriktionen gegen sogenannte Hausgemeinden teilweise gelockert, die sich der staatlichen Kontrolle entziehen wollen. Diese Kleinkirchen versammeln sich in der Regel in Privathäusern und in überschaubaren Gruppen und verfügen nicht über eigene Kirchengebäude. Die Vorgänge um die Shouwang-Kirche werden von chinesischen Christen genau verfolgt. Sie fürchten eine Verschärfung der Situation auch für andere Hausgemeinden.

Nach Angaben der US-Organisation China Aid Association wurde am Samstag der Pekinger Pastor Zhang Mingxuan festgenommen, der die chinesische Vereinigung der Hausgemeinden leitet. Außerdem seien in der südchinesischen Stadt Guangzhou die Ostergottesdienste zweier großer Hausgemeinden verhindert worden, sagte Bob Fu von der US-Organisation.

Genaue Angaben über die Zahl der Christen in China liegen nicht vor. Umfragen in den vergangenen Jahren stützen Schätzungen, dass es etwa 40 Millionen Protestanten und 14 Millionen Katholiken in dem Land gibt. In der Volksrepublik ist offiziell nur die 1957 auf staatlichen Druck gegründete "Patriotische Vereinigung" chinesischer Katholiken zugelassen, die keine offiziellen Kontakte zum Vatikan unterhalten darf und ihre Bischöfe unter Aufsicht des Regimes einsetzt. Dies gilt allerdings nicht für die beiden "Sonderverwaltungsgebiete" Hongkong und Macao. Die papsttreue Untergrundkirche, deren Mitgliederzahl auf sechs bis acht Millionen geschätzt wird, gilt in China nach wie vor als "vom Ausland gesteuerte subversive Organisation". Der "patriotische" Klerus war 1957 von Papst Pius XII. exkommuniziert worden. Seit 1999 hat Rom aber einer Reihe von Weihen "patriotischer" Bischöfe zugestimmt. (APA/Reuters)

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    Ein Polizist hält einen Verdächtiger vor der Shouwang-Kirche fest.

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