Sauerstoffpumpe zur Rettung der Ostsee

25. April 2011, 17:55
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Nach ersten Tests im Labor und in Fjorden soll eine große Pumpe auf offener See den Boden mit Sauerstoff anreichern

Göteborg - Im Kampf gegen die Überdüngung der Ostsee wird einerseits versucht, die Einleitung von Düngemitteln in das Meer zu verringern, andererseits könnte man der Natur aber mit Sauerstoffanreicherung quasi auf die Sprünge helfen: "Indem man der Natur hilft, sich selbst um das eingeleitete Phosphor zu kümmern, sind wir in der Lage, beim Kampf gegen die Überdüngung einen Turboeffekt zu erzielen", unterstreicht Anders Stigebrandt vom Institut für Geowissenschaften der Göteborger Universität.

Die Phosphor- und Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft setzen der Ostsee zu. Erst im Jänner war eine schwedische Studie veröffentlicht worden, wonach derzeit mehr als ein Viertel des Bodens der Ostsee an akutem Sauerstoffmangel leidet. Etwa ein Sechstel des Bodens ist der Untersuchung zufolge tot. Hier könnte die Sauerstoffanreicherung helfen: Der Universität zufolge haben Pilotstudien in den Fjorden Byfjorden und Kanholmsfjärden bereits gezeigt, wie effektiv es ist, mit Sauerstoff angereichertes Wasser zum Meeresboden zu pumpen. Nun starten Tests mit einer großen, mit Windkraft angetriebenen Pumpe auf der offenen Ostsee.

Untersuchung

"Wenn sauerstoffarme Böden der Ostsee gezielt mit Sauerstoff angereichert werden, kann man damit rechnen, dass jeder Quadratkilometer Meeresboden innerhalb kurzer Zeit fünf Tonnen Phosphor binden kann, und dies ist ein rein geochemischer Effekt. Wird dann die Sauerstoffanreicherung längere Zeit fortgesetzt, entsteht wieder Tierleben auf und im Meeresboden", so der Forscher. Im Rahmen der Untersuchungen soll auch die Hypothese überprüft werden, wonach eine dauerhafte Sauerstoffanreicherung der tiefen Wasserschichten der Ostsee dazu führt, langfristig verstärkt Phosphor im Bodensediment zu binden. Eine wichtige Frage dabei ist, wie die sauerstoffangereicherten Tiefwasserschichten Phosphor auf längere Zeit binden. Außerdem wird geprüft, wie die sauerstoffangereicherten Meeresböden kolonisiert werden und wie dies die Phosphoraufnahme beeinflusst.

Die nun zum Einsatz kommende große windkraftbetriebene Pumpe wird in eine rohrförmige Boje eingebaut, die wiederum in einer offenen, noch nicht genauer bestimmten Tiefwasserposition vor der schwedischen Ostküste verankert wird. Indem diese Boje eine kleine Querschnittfläche an der Wasseroberfläche erhält, wird sie Wellenbewegungen gegenüber unempfindlich sein, erklärt Stigebrandt. Die Pumpe soll die Kapazität haben, 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu pumpen. Bei Erfolg wird eine fünf Mal größere Pumpe in eine etwa 120 Meter tiefe Boje gesetzt: "Dies ist wiederum eine Größe, die unseres Erachtens erforderlich sein wird, um in einem groß angelegten System die Sauerstoffanreicherung der tiefen Wasserschichten der Ostsee sicherzustellen", so der Forscher abschließend. (red)

  • Illustration der Windpumpe
    illustration: anders stigebrandt

    Illustration der Windpumpe

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