Aus "Regio-Liner" wird die "Regio-Tram"

20. April 2011, 19:02
77 Postings

SPÖ und ÖVP einigen sich auf eine Schmalspurbahn ins Mühlviertel

Linz - Schon wieder eine neue Untersuchung zum alten Thema Attraktivierung der Mühlkreisbahn: Am Mittwoch präsentierten SPÖ und ÖVP in Linz eine neue Machbarkeitsstudie. Nicht länger als eine Stunde darf die Fahrt einmal dauern, lautete die Zielvorgabe. Derzeit braucht die Bahn für die 46 Kilometer von Rohrbach aus dem oberen Mühlviertel bis nach Linz rund eineinhalb Stunden. Mit einer Schmalspurbahn könne eine Beschleunigung erreicht werden, ergab die Studie.

Neu ist diese Erkenntnis nicht. Bereits im Landtagswahlkampf 2009 präsentierte Oberösterreichs Verkehrslandesrat Erich Haider (SP) den Plan einer solchen Straßenbahn. Mit Haiders Rücktritt nach der SPÖ-Wahlniederlage verschwand aber auch der Plan für diesen "Regio-Liner", den die ÖVP von Anfang an vehement abgelehnt hatte.

Vier Varianten

Als dann voriges Jahr die ÖBB ankündigten, das letzte Teilstück der Mühlkreisbahn stilllegen zu wollen, gründete sich eine unabhängige Initiative "ZUGkunft Mühlkreisbahn". Denn vor allem "das Schneckentempo, das die Politik beim Thema Mühlkreisbahn an den Tag legt", verärgerte. Anstelle die vorhandene Zugstrecke zu modernisieren, werden nur immer wieder Studien zur Zukunft der Mühlkreisbahn in Auftrag gegeben, lautet der Vorwurf.

Vier Varianten sind es dieses Mal. "Im Land haben wir uns auf einen Vorschlag festgelegt, der die Variante 3a favorisiert, weil diese Straßenbahn mit einer Spurweite von 900 Millimeter direkt ins Netz der Linz Linien einfahren kann", erklärte Verkehrslandesrat Hermann Kepplinger (SP). Und in Nichtwahlkampfzeiten konnte auch Baulandesrat Franz Hiesl (VP) dieser Variante etwas abgewinnen. Die neue Bahn trägt nicht mehr den Arbeitstitel "Regio-Liner" sondern "Regio-Tram" und soll rund 165,7 Millionen Euro kosten.

Den Grundsatzbeschluss für diese Lösung wolle die Landesregierung noch vor dem Sommer fassen, so Kepplinger. Eine neu zu gründende Schienen-Infrastruktur-Gesellschaft des Landes soll die Mühlkreisbahn von den ÖBB übernehmen und die neue Lösung planen und umsetzen. Die stellvertretende Grüne Klubobfrau Ulrike Schwarz betonte, dass mit der Festlegung auf die Schmalspur weder eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene noch eine eventuelle Bahnanbindung an Bayern oder Südböhmen möglich seien. Dennoch dürfte mit der jetzt von SPÖ und ÖVP gefundenen Einigung wenigstens gesichert sein, dass die Mühlkreisbahn modernisiert wird. (ker. DER STANDARD Printausgabe, 21.4.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Im Planwagen unterwegs im Mühlviertel - so kommt sich nicht nur die unabhängige Initiative "ZUGkunft Mühlkreisbahn" vor, die vor allem "das Schneckentempo, das die Politik beim Thema Mühlkreisbahn an den Tag legt" kritisiert.

Share if you care.