Henri-Nannen-Preis an "Canard enchaîné"

20. April 2011, 18:32
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Einsatz der französischen Satirezeitschrift für Pressefreiheit gewürdigt

Die französische Wochenzeitung "Le Canard enchaîné" erhält in Anerkennung ihres Einsatzes für die Pressefreiheit den "Henri Nannen Preis" 2011 des deutschen Verlags "Gruner + Jahr". Das investigative und satirische Blatt, dessen Name "Die angekettete Ente" bedeutet, habe zahlreiche Missstände in Frankreich publik gemacht, teilte der Verlag am Mittwoch mit. Die 1915 gegründete Zeitung sei von Beginn an vollkommen unabhängig, verzichte auf Einnahmen durch Werbung und habe allen Angeboten aus Wirtschaft und Politik stets widerstanden.

"Das Motto des 'Canard' lautet übersetzt: 'Die Pressefreiheit verschleißt nur, wenn man sie nicht nutzt'. Diesem Leitsatz fühlt sich die Redaktion verpflichtet und deckt schonungslos politische Skandale und Korruption auf in einem Land, in dem laut Verfassung Pressefreiheit herrscht, die Wahrheit aber manchmal anders aussieht. Dafür gebühre den Kollegen Anerkennung und Respekt", sagte "stern"-Chefredakteur Andreas Petzold zur Entscheidung der Jury. Der mit 35.000 Euro dotierte Preis würdigt neben dem besonderen Einsatz für die Pressefreiheit und einem publizistischen Lebenswerk die besten journalistischen Arbeiten des vergangenen Jahres in deutschsprachigen Medien. Die Preise werden am 6. Mai im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg verliehen.

Zu Berühmtheit gelangte der "Canard"-Bericht über das Diamantengeschenk, das der damalige französische Präsident Valéry Giscard d'Estaing vom zentralafrikanischen Diktator und selbst ernannten Kaiser Jean-Bedel Bokassa erhalten hatte. Der "Canard" deckte auch den sogenannten Pariser Wohnungsskandal auf, infolgedessen mehrere Politiker, unter ihnen der frühere Premier und jetzige Außenminister Alain Juppé, gezwungen waren, ihre luxuriösen Gemeindewohnungen zu verbilligtem Mietzins zu räumen.

Henri Nannen (1913-1996) war langjähriger Herausgeber und Chefredakteur der Illustrierten "stern", die der frühere Kriegsberichtserstatter in einer NS-Propagandatruppe 1948 gründete. Später verkaufte er seine Anteile an den Druckereibesitzer Richard Gruner und die Wochenzeitung "Die Zeit" von Gerd Bucerius. Von 1949 bis 1980 war er Chefredakteur, bis 1983 Herausgeber. (APA)

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