Ein Schriftsteller führt nun das Nutella-Imperium

20. April 2011, 17:51
21 Postings

Giovanni Ferrero führt den Familien-Schokokonzern

Mailand - Der 47-jährige Giovanni Ferrero wird nach dem tödlichen Unfall seines Bruder Pietro, diesem doch an die Spitze des norditalienischen Süßwarenkonzerns (Nutella, Kinderschokolade, Ferrero Rocher) nachfolgen. Auch wenn die Nachfolge gewissermaßen logisch ist, lässt sie doch Fragen offen.

Während der extrovertierte Pietro für Produktion, industrielle Entwicklung und Finanzen des Konzerns zuständig war, begnügte sich Giovanni bisher mit der Rolle des Marketing-Chefs. Als Hauptquartier wählte er Brüssel, wo er seine Jugend verbrachte. Ein Team von Fachexperten und ein gigantisches Werbebudget garantierten den Erfolg.

Offiziell führten die beiden Brüder seit Ende der Neunzigerjahre das Nutella-Imperium gemeinsam. Giovanni stand aber stets im Schatten seines nur ein Jahr älteren Bruders. Im Gegensatz zum sportlichen Pietro schreibt Giovanni Romane - über reiche Europäer und arme Einwanderer, von Nachfolgeproblemen und Generationswechseln in Unternehmerfamilien. Obwohl der Erbe des Ferrero-Konzerns ausgesprochen öffentlichkeitsscheu ist, veröffentlicht er seine Romane unter eigenem Namen.

Geheimes Erfolgsrezept

Dem Sechs-Milliarden-Euro-Umsatz-Konzern fehlt nun ein Stratege. Der Gewinn wächst, die Probleme wachsen. In Frankreich streiken Nutella-Arbeiter für mehr Lohn und internationale Konkurrenz tobt auch am Schoko-Markt. In der italienischen Presse wird spekuliert, ob dem Traditionskonzern nicht doch ein Umbruch bevorsteht. Vater Michele, der Familienpatriarch schlechthin, zieht zwar die Fäden, aber er ist 86 Jahre alt. " Ich bin mir sicher, dass die Banken bereits an Alternativen für die Zukunft von Ferrero arbeiten", heißt es beim Wertpapierhaus Centrobanca. Selbst ein Verkauf wird nicht ausgeschlossen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.4.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Rechnungen und Rezepte statt Romane wird Nutella-Erbe Giovanni Ferrero (rechts) künftig studieren.  

Share if you care.