Tiroler Schmäh nimmt Einzug in die Parteizentrale

20. April 2011, 12:41
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Von Liese Prokop geprägt, von Ernst Strasser enttäuscht - Jetzt hat Hannes Rauch die Agenden im Generalsekretariat übernommen

Nach einem vierjährigen Intermezzo in Tirol hat Hannes Rauch wieder die politische Bühne auf Bundesebene betreten. Der designierte VP-Chef Michael Spindelegger hat seinen neuen General heute offiziell den Medien vorgestellt. Die Volkspartei "kantig" in der Öffentlichkeit zu präsentieren und die "Organisationskraft der ÖVP wieder voll entfalten zu lassen", lautet Spindeleggers Auftrag an Rauch. Auch auf die ehrenamtlichen Funktionäre ist Rauch abgestellt - sie sollen wieder auf die ÖVP eingeschworen werden.

Fritz Kaltenegger hat erst kürzlich bekannt gegeben, dass er die Kommandozentrale der ÖVP in Richtung Privatwirtschaft verlassen wird. Bis zum Parteitag am 20. Mai bleibt er der Bundespartei noch erhalten, um die Agenden zu übergeben. Bis dahin soll auch das Profil der ÖVP geschärft werden.

Rauch, der Pressesprecher bei den Innenministern Ernst Strasser, Liese Prokop und auch für die Bundes-ÖVP war, eilt sein Ruf voraus. Er soll noch kämpferischer als Hannes Missethon sein, hieß es etwa im Zuge seiner Bestellung. Er sei ein "abgebrühter Wahlkämfer, der mit allen Wassern gewaschen ist und sich wohl fühlt, wenn die politischen Messer gewetzt werden", schreibt etwa das Bezirksblatt Kufstein, wo man den Stadtparteiobmann Rauch auch in Zukunft aus nächster Nähe erleben kann. Diese ehrenamtliche Funktion will er nämlich beibehalten. Denn: Es sei wichtig in der Basis verankert zu bleiben, wie er bei der Pressekonferenz erklärte.

"Ich bin der Hannes Rauch"

Vom skrupellosen Wahlkämpfer war vorerst jedenfalls noch nichts zu sehen, versuchte sich Rauch doch locker und mit Tiroler Schmäh zu präsentieren. Er wisse, dass ihm ein gewisses Klischee vorauseilt: "Aber ich bin der Hannes Rauch. Und ich bin wie ich bin". Er habe keine Lust am Streiten, müsse jedoch sicher das eine oder andere Mal "pointiert formulieren" und "ab und zu Kanten zeigen". Er sei nett und umgänglich, aber manchmal vielleicht direkter. "Das ist man halt in Tirol". Sein Pendant bei der SPÖ, Laura Rudas, kenne er nur aus den Medien, er wolle sie demnächst auch persönlich treffen. "Prinzipiell schaue ich aber auf die ÖVP, nur diese neue Partei BZÖ muss ich mir noch ein wenig anschauen", witzelt Rauch. "Grundsätzlich freue ich mich auf eine Zusammenarbeit mit ihm. Wir kennen einander noch nicht, wir werden einander in den nächsten Tagen treffen, um darüber zu sprechen," sagt SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas über ihr neues Pendant beim Regierungspartner.

Angesichts der Reaktionen auf Spindeleggers Team ortet der neue General jedenfalls "Nervösität" in den Parteizentralen. Die Frage wie er zu Ernst Strasser nun persönlich steht, wollte er nicht so recht beantworten. Zu laufenden Verfahren gebe er keine Stellungnahme ab, wiewohl er einräumte, von Strasser enttäuscht zu sein. Viel lieber sprach Rauch von "Liesi Prokop, die mich sehr geprägt hat". Die 2006 verstorbene Politikerin "wäre jetzt sehr stolz auf mich, wenn sie mich hier sehen könnte". Blick zum Himmel: "Vielleicht schaut sie auf mich herunter". (burg, derStandard.at, 20. April 2011)

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    "Ich bin der Hannes Rauch. Und ich bin wie ich bin."

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    Der neue VP-General soll das Profil der ÖVP schärfen.

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