RWE hält an Atomkurs fest

20. April 2011, 19:04
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Vor der Hauptversammlung in Essen protestierten Atomkraft­gegner für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft

Essen/Liebenberg - Die deutsche RWE bleibt strikt auf Atomkurs: Trotz massiver Proteste von Atomkraftgegnern lässt Konzernchef Jürgen Großmann nicht an seiner Strategie rütteln. Bei der Hauptversammlung in der Essener Grugahalle prallten am Mittwoch die Fronten von Atomkraftgegnern und Befürwortern aufeinander.

Wann der Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie umgesetzt wird, ist weiter offen. Die Ethikkommission der Bundesregierung hat sich noch nicht auf ein konkretes Datum dafür festgelegt.

Den Protest gegen den Atomkurs des Konzerns bekamen die RWE-Aktionäre schon vor der Hauptversammlung am Morgen in Essen zu spüren: Demonstranten versuchten, rund 5.000 Teilnehmer mit Sitzblockaden und gespannten Wollfäden am Betreten der Versammlungshalle zu hindern. Bei seiner Rede wurde Konzernchef Großmann mehrfach von Sprechchören unterbrochen. Der 59-Jährige zeigte sich gesprächsbereit - mögliche Zugeständnisse deutete er jedoch nicht an.

Bereits vor dem Aktionärstreffen war der RWE-Chef laut einem Bericht vonkommunalen Aktionären des Energiekonzerns massiv kritisiert worden. Grund sei das Festhalten des Managers an der Atomkraft, während ein Teil der Anteilseigner aussteigen wolle, hieß es. Ein Unternehmenssprecher wollte den Bericht auf Anfrage nicht bestätigen.

Mit der Klage des Konzerns gegen das Moratorium der Bundesregierung habe das Unternehmen seine Verpflichtung gegenüber den Aktionären erfüllt, unterstrich Großmann. Die Klage sei jedoch keine Kampfansage an die Politik. RWE hatte als einziger deutscher Atomkonzern eine Klage gegen das Moratorium eingereicht. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Privatwirtschaft für die angestrebte Energiewende einen dreistelligen Milliardenbetrag einsetzen müsse.

Aufforderung zum Rücktritt

Einige Aktionäre forderten Großmann zum Rücktritt auf. Einem vorzeitigen Ausstieg vor Ende seines im September 2012 auslaufenden Vertrags erteilte er aber eine Absage.

Bei der Hauptversammlung soll das umstrittene Aufsichtsratsmandat des ÖVP-Abgeordneten Wolfgang Schüssel bestätigt werden. Der frühere österreichische Bundeskanzler hat im Vorjahr für seine zehnmonatige Kontrolltätigkeit bei RWE 98.000 Euro kassiert.

Die Hauptversammlung dauert zur Stunde (19.00 Uhr) an, ein Ende ist nicht absehbar. Nach einer kurzen Unterbrechung werden aktuell im Rahmen der Generaldebatte Aktionärsfragen - hauptsächlich zum RWE-Atomkurs - beantwortet. (APA)

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    Proteste begleiteten heute die Hauptversammlung des deutschen Energieriesen RWE.

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