Geithner weist Zweifel an US-Bonität zurück

20. April 2011, 09:50
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US-Finanzminister sieht gute Aussichten für Schuldenabbau - An den Finanzmärkten kehrte wieder Ruhe ein

Washington/Frankfurt - Die US-Regierung wirbt angesichts der skeptischeren Blicke auf ihre Kreditwürdigkeit um Vertrauen. "Wir hinken nicht hinterher, wir kommen bei der Bewältigung des fiskalen Problems voran," versicherte Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag. Präsident Barack Obama betonte, es gebe bereits grundsätzliche Einigkeit zwischen den politischen Lagern über einen Defizitabbau. Auf den Finanzmärkten kehrte nach den heftigen Ausschlägen vom Vortag wieder Ruhe ein.

Obama äußerte sich optimistisch, dass der Abbau des schwindelerregenden Etatdefizits möglich sei. "Ich glaube, dass Demokraten und Republikaner zusammenkommen können, um das zu schaffen", sagte er. Über die Frage, wie gespart werden solle, werde es aber noch heftige Kontroversen geben. Obama ging in einer Rede in Annadale in Virginia nicht direkt auf die von der Ratingagentur Standard & Poor's am Montag geäußerten Zweifel an der langfristigen Bonität der USA ein.

Gute Aussichten

Geithner sagte dem Sender CNBC, tatsächlich seien die Aussichten für einen Abbau des Haushaltsdefizits heute besser als seit langem. Alle Seiten - der Präsident, die Demokraten und die Republikaner - seien sich darin einig, dass etwas geschehen müsse. "Wenn man genau hinblickt, sieht man, dass sich ein Konsens herauszubilden beginnt."

Die Ratingagentur S&P hatte am Montag die Bonität der USA zwar weiter mit der Bestnote "AAA" bewertet, aber den langfristigen Ausblick von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Damit droht in den kommenden zwei Jahren eine Herabstufung - laut Mitteilung mit einer Wahrscheinlichkeit von 33 Prozent. Grund für die Beurteilung seien die im Vergleich zu anderen mit "AAA" bewerteten Ländern "sehr hohen" Haushaltsdefizite". Außerdem sei unklar, wie die steigende Staatsverschuldung abgebaut werden solle.

Die Lage an den europäischen Finanzmärkten beruhigte sich am Dienstag nach den Turbulenzen vom Vortag. Der deutsche Leitindex Dax erholte sich von seinen deutlichen Kursverlusten, auch der österreichische ATX zeigte sich gestern etwas erholt. Der Dax hatte am Montag den größten Tagesverlust seit dem 15. März verzeichnet, als er im Zuge der Atomkatastrophe in Japan mehr als drei Prozent verloren hatte. Die Kurse deutscher Staatsanleihen gaben einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Am Montag war das Interessen an deutschen Anleihen als sicherer Alternative deutlich gestiegen.

Profitieren

"Deutsche Anleihen werden aber auch künftig von einer möglichen Verschärfung der US-Schuldenprobleme profitieren," erwartet Ulrich Wortberg, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen. In Europa seien deutsche und französische Anleihen die einzigen Alternativen zu US-Anleihen, sagte er unter Verweis auf die erstklassige Bonität und den großen Markt.

Mit einem Tag Abstand hätten einige Anleger dem Warnschuss von S&P auch etwas Positives abgewonnen, sagte Kapitalmarktexperte Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Sollten die USA ihr Top-Rating verlieren, drohe die Gefahr, dass amerikanische Staatsanleihen ihre Rolle als "sicherer Hafen" verlieren, unterstrich UniCredit-Experte Rees. "Gewinner dürften wohl Bundesanleihen sein".

Die USA häufen allein im laufenden Haushaltsjahr bis zu 1,65 Bill. Dollar (1.154 Mrd. Euro) neue Schulden an, rund zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Gesamtverschuldung der USA beträgt derzeit mehr als 14,2 Bill. Dollar. Das ist an der Wirtschaftsleistung gemessen das dickste Minus in der Staatskasse der größten Volkswirtschaft seit fünf Jahrzehnten. Ein schlechteres Rating kann zu erheblich höheren Zinsen für US-Staatsanleihen führen. Dies könnte nach Expertenmeinung das ohnehin zaghafte Wirtschaftswachstum abwürgen und die Gefahr einer neuen Rezession heraufbeschwören.

Werbetour

Obama brach am Dienstag zu einer dreitägigen Werbetour für sein Sparprogramm auf. Obama will innerhalb der nächsten zwölf Jahre 4 Bill. Dollar einsparen, die Republikaner wollen binnen von zehn Jahren die Defizite um 5,8 Bill. Dollar senken und setzen dabei vor allem auf tiefe Einschnitte im Sozialwesen. Obama lehnt das entschieden ab, wie er auch am Dienstag erneut klar machte.

Obamas Top-Wirtschaftsberater Austan Goolsbee sprach unterdessen von einem "politischen Urteil" von S&P, "dem nicht zu viel Gewicht beigemessen werden sollte". Obama habe schließlich Schritte zu größerer "fiskaler Verantwortung" angekündigt, sagte Goolsbee Bloomberg TV. (APA)

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