"Lauschangriff" als Feature neuer Handy-Apps

18. April 2011, 14:02
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Mehrere Apps analysieren Umgebungsgeräusche um zusätzliche Informationen zu sammeln ohne Wissen der Nutzer

Immer mehr iPhone- und Android-Apps nutzen die eingebauten Mikrophone von Smartphones, um Informationen zu sammeln. So gibt es beispielsweise Apps wie SoundHound und Shazam, mit denen man Lieder erkennen kann. Jedoch nicht bei allen Apps ist das auf den ersten Blick auch für die Nutzer erkennbar. Die Computerworld hat einige Apps entdeckt, bei denen Tonaufnahmen als nicht ganz offensichtliches Feature fungieren.

Social Network lauscht nach anderen Nutzern

Mit Color können Nutzer mit Personen in ihrer Umgebung, die ebenfalls Color nutzen, ein spontanes Social Network aufbauen und Inhalte teilen. Nimmt man beispielsweise ein Foto über Color auf, können auch alle anderen Color-Nutzer in der näheren Umgebung diese Inhalte sehen. Laut dem Bericht nimmt Color über das Mikrophon Umgebungsgeräusche auf, um zu erkennen, wenn sich andere Personen im selben Raum befinden und ob man dieselben Dinge hört. Nutzer werden darüber allerdings nicht informiert. Color steht derzeit für das iPhone zur Verfügung, für Android ist eine neue Version in Vorbereitung.

App erkennt Geschäft am Sound

Bei Shopkick erhalten Nutzer beispielsweise Rabatte, wenn sie eines der teilnehmenden Geschäfte besuchen. Dabei erkennt das Smartphone laut Bericht ein für Menschen nicht wahrnehmbares Geräusch, das in den Shops generiert wird. Während iPhone-Nutzer davon nicht in Kenntnis gesetzt werden, wird bei der Android-Version darauf hingewiesen, dass die App die Berechtigung zur Audio-Aufnahme einfordert. Offensichtlicher ist der "Lauschangriff" bei IntoNow. Die Anwendung erkennt, welche Fernsehsendung und welche Episode man gerade ansieht, nachdem man die Funktion aktiviert hat. Diese Infos können Freunden auf Social Networks mitgeteilt werden.

Berechtigungen einholen

Vor allem bei den iOS-Apps ist problematisch, dass Nutzer vor der Installation nicht extra darauf hingewiesen werden, wenn eine App auf Hardware-Elemente wie das Mikrophon zugreift. Nutzer können lediglich nach der Installation zustimmen, ob die App etwa auf die Ortsangaben zugreifen oder Push-Nachrichten schicken darf. Dass das Mikrophon "angezapft" wird, ist hingegen nicht ersichtlich. Bei der Installation von Apps unter Android wird vorab angezeigt, welche Berechtigungen die Anwendung benötigt. Diese können zudem im Android Market vorher angesehen werden.

Datensammler

Die Apps würden zwar keine eigentlichen Gespräche sondern nur Geräuschmuster aufnehmen, doch auch daraus ließen sich laut Computerworld auch einige Informationen auslesen. So könnte man von Tonaufnahmen das Geschlecht und das ungefähre Alter einer Person ableiten. Es könne analysiert werden wie oft man fernsieht und was, wie viel Zeit man in Gesellschaft und alleine verbringt oder ob man in einer Großstadt oder am Land lebt. Das alles seien für Marketing-Agenturen wertvolle Informationen um Werbung noch stärker zu personalisieren. Die Anbieter der iPhone- und Android-Apps informieren Nutzer zwar, welche Daten für Marketing-Zwecke gesammelt werden. Diese Infos sind allerdings oft nur nach längerer Suche auf den Websites auffindbar. (red)

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  • Bild nicht mehr verfügbar

    Einige Apps sperren die Lauscher auf. (Foto veröffentlicht unter CC BY-SA 2.0)

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