Teheran erhebt Vorwürfe gegen Siemens wegen Computervirus Stuxnet

17. April 2011, 19:57
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Informationen über Software an "Feind" gelangt

Teheran - Im Zusammenhang mit dem Computervirus Stuxnet hat der Iran einem Zeitungsbericht zufolge schwere Vorwürfe gegen Siemens erhoben. Der deutsche Konzern habe den USA und Israel bei einem Angriff mit der Schadsoftware auf das iranische Atomprogramm geholfen, sagte der Militärkommandeur Gholamreza Jalali der Zeitung "Kayhan" vom Sonntag. Siemens müsse dafür zur Rechenschaft gezogen werden, dass sein Kontrollsystem zur Steuerung unter anderem von Kraftwerken (Scada) von dem Virus befallen wurde.

"Der Siemens-Konzern muss erklären, wie und warum er dem Feind die Informationen über seine Scada-Software zukommen ließ, was den Boden für die Cyber-Attacke gegen uns bereitet hat", sagte Jalali. Siemens lehnte eine Stellungnahme ab.

Das Virus Stuxnet dringt nach Einschätzung von Software-Experten in die Systeme zur Überwachung von Automatisierungsprozessen ein, die in zahlreichen Branchen von der Lebensmittel- über die Chemieindustrie bis hin zur Energieerzeugung eingesetzt werden. Die Schadsoftware attackiert auch Rechner, mit denen Kraftwerke und andere Anlagen mit Hilfe von Kontrollsystemen von Siemens gesteuert werden. Stuxnet ist einer der ersten Computerviren, die gezielt für Angriffe auf Industrieprogramme erstellt wurden.

Im letzten September hatte der Iran mitgeteilt, dass Stuxnet Computer von Mitarbeitern des Atomkraftwerks Bushehr befallen hat. Die Anlage selbst sei aber unversehrt geblieben, hieß es damals. Allerdings ist Bushehr noch immer nicht am Netz. Das hat Spekulationen darüber ausgelöst, dass die Rechner des einzigen Atomkraftwerk des Landes selbst von Stuxnet befallen wurden.

Einige Experten außerhalb des Iran haben erklärt, Stuxnet sei möglicherweise als Cyber-Angriff auf das umstrittene Programm zur Urananreicherung eingesetzt worden. Der Iran wird von der internationalen Gemeinschaft verdächtigt, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung von Nuklearenergie nach Atomwaffen zu streben. Die Führung in Teheran bestreitet das. (APA/Reuters)

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