"Menschen beobachten" als Inspiration für WP7-Design

17. April 2011, 13:30
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Für Chefdesigner Shum sollen User nicht zu viel Zeit mit der Informationssuche auf ihren Handys verbringen müssen

Mit Windows Phone 7 hat Microsoft einen neuen Design-Ansatz gefunden, der die veraltete Oberfläche von Windows Mobile abgelöst hat. Das Vorgängersystem entsprach einer miniaturisierten Version des Desktop-Interface und war für die Stifteingabe ausgelegt. Windows Phone 7 ist hingegen für Multitouch-Bedienung ausgelegt. Wie Microsoft zum neuen Interface kam, erklärte Interface-Designer Albert Shum im Gespräch mit der Technology Review.

Telefone als alltägliche Begleiter

Shums Design-Ansatz sei weniger ein technischer, sondern von Menschen inspiriert. Vor Microsoft arbeitete der Designer beim Sportartikelhersteller Nike. Der Ansatz des Windows Phone 7-Teams sei "das Beobachten von Menschen" gewesen. Aufschlussreich sei dabei, wie Menschen ihre Handys beispielsweise im Restaurant nutzen. So würden sie während einer Konversation ganz selbstverständlich Informationen zu Weinen auf der Speisekarte im Internet nachschlagen, gibt Shum ein Beispiel. Das habe sich in den vergangenen fünf Jahren stark geändert. "Die Leute betrachten ihre Telefone nicht mehr als ein Stück Technologie, sondern als alltägliche Begleiter", erklärt der Designer.

"Life Maximiser"

Für die Entwicklung des Interface von Windows Phone 7 habe Microsoft User in zehn verschiedene Nutzergruppen eingeteilt. Das reiche von Menschen, die nur telefonieren wollen, bis zu technisch sehr versierten Nutzern. Für Windows Phone 7 habe man sich auf die Gruppe der sogenannten "Life Maximiser" konzentriert. Darunter versteht man bei Microsoft Nutzer, die Informationen schnell abrufen wollen, ohne sich allzu lange mit ihrem Smartphone beschäftigen zu müssen.

Kachel-Interface

Diesem Ansatz sollen die "lebenden Kacheln" am Homescreen entsprechen. So wird beispielsweise die Anzahl neuer Mails angezeigt, ohne das Programm öffnen zu müssen - eine Funktion, die allerdings auch iOS und Android bei ihren E-Mail-Apps bieten. Einen zentralen Stellenwert würden zudem soziale Kontakte einnehmen. Im "People Hub" wird in der Kontaktliste beispielsweise angezeigt, ob jemand gerade seine Facebook-Seite aktualisiert hat.

Anne und Miles

Shums Design-Team habe sich ein fiktives New Yorker-Pärchen namens Anne und Miles einfallen lassen und verschiedene User-Szenarien entworfen. Anhand dieser prototypischen Nutzer habe das Team dann Menschen gesucht, die Anne und Miles entsprechen. Man habe diese Personen dann auch zu Hause besucht und ihren Alltag analysiert. Später hätten sie auch prototypische Geräte zum Ausprobieren bekommen. Windows Phone 7 sei mit dem Ansatz entwickelt worden, dass Menschen "mit Hilfe von Technologie ihr Leben aufwerten wollen."

Bei Tablets noch viel möglich

Zu Tablets meint Shum, dass man sich auch hier ansehen müsse, wie Menschen die Geräte nutzen. Der Windows Phone 7-Chefdfesigner ist sich sicher, dass man hier noch viel mehr machen könne als es aktuell der Fall sei. "Wenn Sie sich ansehen, was wir mit der Kinect-Steuerung machen können, bekommen Sie eine Vorstellung davon, was mit diesen neuen Geräten möglich wäre", so Shum. Mit dem Mikrophon, der Kamera und den Beschleunigungs- und Touchsensoren eines Smartphones könne man neue Eingabemethoden schaffen. (red)

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