G-20 planen Liste der "Risikoländer"

15. April 2011, 19:24
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Finanzminister beraten über weltweite Ungleichgewichte

Washington - Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) haben sich weitgehend auf Kriterien für Staaten verständigt, die sich stärker um den Abbau wirtschaftlicher Ungleichgewichte bemühen sollen. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen in Washington einigten sich die Delegationen in der Nacht auf Freitag auf eine Kompromissformel, auf deren Grundlage eine Liste von Ländern erstellt werden soll, die etwa wegen hoher Staatsverschuldung oder unausgewogener Handelsbilanzen ein mögliches Risiko für die Weltwirtschaft darstellen.

Die Finanzminister und Notenbanker der G-20 kamen am Freitag in Washington erneut zusammen, um Einzelheiten auszuhandeln und über eine mögliche Veröffentlichung der Länderliste zu entscheiden. "Wir sind sehr, sehr nah an einer Einigung", sagte die französische Finanzministerin Christine Lagarde, deren Land derzeit den Vorsitz der G-20 führt. Über eine öffentliche Nennung der Länder, die vor dem Hintergrund der Ungleichgewichte genauer unter die Lupe genommen werden sollen, werde im Laufe des Tages entschieden.

USA und China auf der Liste

Als sicher galt, dass die USA wegen ihres enormen Haushaltsdefizits und der defizitären Handelsbilanz zu den betroffenen Staaten gehören würden. Auch China, das riesige Handelsüberschüsse einfährt und eine unterbewertete Währung hat, dürfte auf der Liste stehen.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) rechnete damit, dass Deutschland ebenfalls genannt werden würde. "Ich wäre nicht zu überrascht, wenn Deutschland in die zweite Runde der vertieften Prüfung kommen wird", sagte Schäuble in Washington. Dies sei aber "in Ordnung", da sich dann herausstellen werde, dass der deutsche Handelsüberschuss das "Ergebnis einer sehr hohen Wettbewerbsfähigkeit" sei. (APA)

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