Geschlechterdreikampf unter Starkstrom

14. April 2011, 18:43
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Petra Wüllenweber inszeniert die deutschsprachige Erstaufführung von Mike Barletts Stück "Cock" am Linzer Theater Eisenhand überzeugend kräftig

Drei sind einer zu viel. Diesen Konflikt der Paarbeziehung thematisiert Mike Barletts Stück Cock am Beispiel eines schwulen Paares, dessen langjährige Beziehung bröckelt und endgültig zu zerbersten droht, als eine Frau in die nicht mehr allzu traute Zweisamkeit einbricht.

Petra Wüllenweber inszeniert die deutschsprachige Erstaufführung am Linzer Theater Eisenhand überzeugend kräftig. Jedes Wort, jeder Schritt sitzt, die explosive Spannung lässt knappe zwei Stunden nicht nach.

Die Akteure tragen diese Intensität mit hochkonzentriertem emotionalem Spiel. M (Vasilij Sotke) ist nach einem überlebten Unfall wie neugeboren und strotzt vor Energie, die sich in massivem Begehren gegenüber seinem Partner John (Georg Bonn) zeigt. Jener weiß mit diesem Lustübergriff nichts mehr anzufangen, hadert er doch längst mit seinem Dasein als Juniorpartner in der Lebensgemeinschaft mit M.

Als er das Ende in den Raum stellt, ist M wie vor den Kopf gestoßen. Der Balanceakt am emotionalen Abgrund hat für beide begonnen. Zu Johns Zweifel gesellt sich bald Zerrissenheit. F (Julia Ribbeck) läuft ihm über den Weg und eröffnet die Möglichkeit, auch eine Frau anziehend zu finden, ja sogar zu "mögen".

Das Ensemble, in dem Erich Josef Langwiesner als Ms Vater die Figur des Schiedsrichters über die "bessere" Liebe übernimmt, vermag über die gesamte Wegstrecke des Geschlechterdreikampfes zu überzeugen. Ein intensives Stück Theater. (wo, DER STANDARD - Printausgabe, 15. April 2011)

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