Kriminalität verlagert sich in Österreichs Westen

14. April 2011, 14:17
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133.682 Anzeigen im ersten Quartal – Anstieg um vier Prozent gegenüber Vergleichszeitraum 2010 – Auch Aufklärungsquote gestiegen

Wien – In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind in Österreich 133.682 strafbare Handlungen bei Staatsanwaltschaften angezeigt worden. Das waren in Relation zum Vergleichszeitraum 2010 um vier Prozent mehr, aber um 4,8 Prozent weniger als im direkt vorangegangenen Quartal. Die Aufklärungsquote ist gegenüber den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres um 4,7 Prozentpunkte auf 43,5 Prozent gestiegen. Diese Zahlen wurden am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Bundeskriminalamt (BK) bekanntgegeben.

"Wir sind mit dieser Entwicklung sehr zufrieden, aber wir müssen höllisch auf der Hut sein", sagte BK-Direktor Franz Lang, der besonders der Wiener Polizei sein Lob aussprach: In der Bundeshauptstadt, einem "besonders schwierigen Terrain", sei sowohl bei der Kriminalitätsbekämpfung als auch bei der Aufklärungsquote die Trendumkehr geschafft worden.

Eine leichte Zunahme gab es gesamtösterreichisch gesehen bei Einbruchsdiebstählen in Wohnungen und Einfamilienhäuser, und zwar von 4.361 im ersten Quartal des vergangenen Jahres auf heuer 4.513. Verstärkt aktiv waren oder sind Tätergruppen aus Georgien, Rumänien und dem Gebiet des früheren Jugoslawiens. Nach der Zerschlagung einer international tätigen georgischen Tätergruppe im vergangenen Jahr im Rahmen der Operation "Java" sei zu bemerken, dass einige damals gefasste Täter wieder auf freiem Fuß und unter Alias-Namen illegal nach Österreich und zu ihrem Metier zurückgekehrt seien.

"Extrem mobile Täterschaft"

Das Einbruchsgeschehen, früher mit Schwerpunkt in Ostösterreich, habe sich etwas Richtung Westen - Oberösterreich, Salzburg und Teile Tirols - verlagert, sagte Ernst Geiger vom BK. Er führt das unter anderem auf den durch die "anfangs belächelte" Soko Ost ausgehenden Kontrolldruck zurück.

Bei Kfz-Diebstählen weist die Statistik zwar ein leichtes Minus im Vergleich zum letzten Quartal 2010 aus. 1.135 gestohlene Kraftfahrzeuge in den ersten drei Monaten 2011 sind aber um 230 mehr als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres. Ebenfalls ein jetzt verstärkt beobachtetes Phänomen auf dem Sektor Kfz-Diebstahl: Die Fahrzeuge werden noch in Österreich zerlegt und auf diese Weise in Lkw außer Landes gebracht. Beim Kfz-Diebstahl hat es die Polizei mit einer - so Lang - "extrem mobilen Täterschaft" zu tun.

Die Gewaltkriminalität ist laut Lang zwar kontinuierlich im Steigen, aber nicht in dramatischem Ausmaß. Eine Zunahme gibt es nach Angaben Geigers auch bei Aggressionsdelikten unter Jugendlichen. Die Fälle von Straßenraub seien gestiegen. "iPhones haben eine massive Nachfrage ausgelöst", erklärte der Kriminalist.

"Trend" Bankomat-Diebstahl

Als neue Phänomene wertet das BK auch Bankomat- und Buntmetall-Diebstähle. Bei den Geldautomaten gehen die Kriminalisten von vier bis fünf Tätergruppen aus. Eine davon wurde vor wenigen Wochen in der Slowakei ausgehoben. "Sie sagen zwar, dass sie in Österreich nichts gemacht haben. Wir sehen das aber nicht so", erklärte Geiger. Buntmetalldiebstähle - jüngst drei Kilometer Erdungskabel der ÖBB nördlich und südlich von Graz und 800 Kupfervasen am Döblinger Friedhof in Wien - sind ein europaweites Problem.

Das Buntmetall als wertvoller Rohstoff wird offenbar in die Slowakei und nach Tschechien transportiert und dort eingeschmolzen. Über die Hehler weiß man anscheinend noch nichts. In Kooperation mit den Behörden in den Nachbarstaaten will man Näheres in Erfahrung bringen. Eine leichte Zunahme gab es zuletzt auch beim Taschendiebstahl, längerfristig aber einen Rückgang. (APA)

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    Im ersten Quartal 2011 stieg die Aufklärungsquote laut Bundeskriminalamt gegenüber dem vierten Quartal 2010 um 4,7 Prozent an.

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