Geringe Erwartungen

13. April 2011, 19:00
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Es wird schlechter, bevor es besser werden kann

Die ÖVP braucht schon wieder einen neuen Obmann. Den dritten in fünf Jahren. Regt aber außerhalb der engeren Kreise der Volkspartei nicht allzu viele auf. Ist halt so. Josef Pröll? Ja, er hatte einen ganz ordentlichen Start, war ein Politiker der jüngeren Generation, manche setzten Hoffnungen in ihn, in Richtung Veränderung. Es kam aber irgendwie zu wenig.

In die Politik werden nur noch wenige Erwartungen investiert. Ist bei der Kanzlerpartei SPÖ übrigens nicht viel anders, die hat nur die besseren Machttechniken drauf. Josef Pröll übte in seiner Abschiedsrede erstaunlich klare Kritik an der Menschenmühle Politik. Die war auch früher kein gesunder Beruf. Wir hatten einen Kreisky, der zuletzt aus der Dialysestation regierte, und einen Mock, der seinen Parkinson über Jahre nicht zugab, obwohl jeder im TV seinen Zustand sah. Diese Politiker hatten allerdings in ihrer Zeit etwas erreicht und verändert. Sie hatten Ziele - Kreisky die Modernisierung, Mock den EU-Beitritt Österreichs. Sie konnten diese Ziele vermitteln, und die Leute gingen mit. Das scheint heute nicht so recht zu gelingen.

Die Gründe? Wahrscheinlich die Sozialisation einer jüngeren Politikergeneration durch Spindoktoren und gecoachten Sprechpuppen des Populismus. Daneben wirken Politiker, die einfach den Hass rauslassen, direkt authentisch, vor allem bei den Jungen.

Die Vermutung ist, dass es schlechter wird, bevor es besser werden kann. (rau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.4.2011)

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