Android-Kraftpaket HTC Sensation im ersten Test

17. April 2011, 15:20
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Schnelles Gingerbread-Smartphone mit hochwertigem Gehäuse - Film-Service startet im Juni mit 600 Titeln

Das Sensation ist der jüngste Android-Wurf des taiwanesischen Smartphone-Herstellers HTC. Es folgt mit seinem pompösen Namen einer Reihe populärer High-End-Smartphones wie der Desire-Reihe oder dem Incredible. Hat das Unternehmen auf dem Mobile World Congress in Barcelona der Konkurrenz noch den Vortritt bei der neuen Dual-Core-Klasse gelassen, zieht HTC mit dem Sensation nun nach. Als "Multimedia-Superphone" will der Konzern das Modell auf den Markt bringen. Der WebStandard konnte in London einen ersten Blick auf das neue Android-Flaggschiff werfen.

1,2 GHz Dual-Core-Chip

In punkto Ausstattung steht das Sensation mit Geräten wie dem Samsung Galaxy S II an der Spitze aktueller Android-Smartphones. Angetrieben wird es von einem 1,2 GHz schnellen Snapdragon Dual-Core Prozessor und 768 MB Arbeitsspeicher. Den internen Speichere hat HTC mit 1GB groß genug für jene Apps bemessen, die noch nicht auf die SD-Karte ausgelagert werden können. Im kurzen Hands-on fühlt sich das Gerät sehr schnell an. Anwendungen starten unmittelbar, Websites bauen sich schnell auf der Wechsel zwischen den Homescreens erfolgt ohne Ruckeln.

Hochauflösendes Display

Beim Super LCD hat HTC gegenüber früheren Modellen die Auflösung hochgeschraubt. Das 4,3 Zoll große Display stellt 960 x 540 Pixel dar, liegt dabei aber noch immer hinter den 960 x 640 Pixel des iPhone 4, das mit 3,5 Zoll auch eine kleinere Diagonale aufweist. Allerdings sind auch beim HTC Sensation einzelne Pixel praktisch nicht mehr wahrnehmbar. Im direkten Vergleich zum iPhone 4 ist kleine Schrift zwar gut leserlich, aber nicht ganz so scharf. Die Lesbarkeit des Super LCD bei Sonneneinstrahlung konnte nicht ausprobiert werden.

8-Megapixel-Kamera für Full HD-Videos

Neben einer 1,2-Megapixel-Kamera auf der Frontseite besitzt das Sensation eine 8-Megpixel-Kamera mit Dual-LED-Blitz auf der Rückseite. Kameras mit dieser Auflösung hat HTC zwar schon früher verbaut (beim Desire HD), mit dem Sensation lassen sich nun jedoch auch Videos mit Full HD-Auflösung (1080p) aufnehmen, die über HDMI out auf einen HD-Fernseher ausgegeben werden können. Mit einem neuen Trimmer-Tool können die Kurzfilme direkt am Gerät zurechtgestutzt werden. Anfangs- und Endpunkt können über zwei Schieberegler unkompliziert festgelegt werden, ähnlich wie bei der Textauswahl. Die Kamera löst bei Fotos zudem nun schneller aus. Ob sich die Bildqualität gegenüber anderen HTC-Modellen verbessert hat, konnte aufgrund des begrenzten Testrahmens nicht überprüft werden.

Hochwertiges Gehäuse

Gelungen ist das Design des Geräts mit einem Unibody aus Aluminium, der sich sehr hochwertig und stabil anfühlt. Trotz Abmessungen von 126,1 x 65,4x 11,3 mm wiegt das Sensation nur 148 Gramm. Ein durchdachtes Detail: das Display aus Gorilla-Glas ist an den Kanten zum Rahmen hin leicht abgeflacht. Dadurch soll es besser geschützt sein, wenn es auf der Frontseite liegt. Das Gehäuse ist zwar hochwertig und durchaus attraktiv, sticht in HTCs typischen Unibody-Look in verschiedenen Grautönen jedoch nicht mehr wirklich hervor. Samsung hat mit dem Nexus S oder auch dem Galaxy S II mutigere Wege beschritten.

Gingerbread mit Sense 3.0

Als Betriebssystem kommt wie auch beim Desire S oder dem Wildfire S Android 2.3 Gingerbread zum Einsatz. Wie immer verbirgt sich das eigentliche Android-Interface allerdings unter einer eigenen Oberfläche von HTC. Das Sensation ist das erste HTC-Smartphone mit dem neuen Sense 3.0. Hier hat der Konzern bei den optischen Effekten einen Gang hochgeschaltet. So wurde unter anderem das Wetter-Widget mit neuen Special Effects aufpoliert.

Neuer Sperrbildschirm

Als erstes springt der neuen Lockscreen ins Auge, auf dem nun häufig genutzte Anwendungen zwischengeparkt werden, um sie beim Einschalten des Displays direkt aufrufen zu können. Allzu schnell kommt man damit allerdings nicht ans Ziel (sprich zu der gewünschten App), da man die Apps am Sperrbildschirm erst in einen Ring am unteren Displayrand ziehen muss. Schiebt man den Ring nach oben, kommt man zum normalen Homescreen. Auf dem neuen Lockscreen können zudem Infos wie Aktienkurse, Facebook-Status-Updates oder Fotos aus dem Album angezeigt werden.

Zu viel Sense?

Die Neuerungen von Sense 3.0 sind auf den ersten Blick zwar beeindruckend und stellen vor allem die Performance des Geräts unter Beweis. Auf Dauer laufen die 3D-Effekte, Animationen und Sounds jedoch Gefahr, als überflüssig und nervend aufzufallen. Bei HTC sieht man Sense als wichtigstes Abgrenzungsmerkmal von der Armee an Android-Phones am Markt. Dass Android-Updates durch die tiefe Integration von Sense in das System länger in der Warteschleifen hängen bleiben, befürchtet der Hersteller nicht. HTC würde seine Android-Geräte immerhin schneller als manch anderer Handybauer aktualisieren, heißt es. "Schneller als andere" bedeutet bei einigen bereits länger am Markt erhältlichen Geräten allerdings immer noch mehrere Monate nach dem Release einer neuen Android-Version.

iTunes-Konkurrenz

Neben Sense versucht der Hersteller Nutzer auch mit dem neuen Filmservice HTC Watch zu überzeugen. Der Dienst wurde bereits im Februar in Barcelona mit dem Tablet Flyer präsentiert und wird nun auf das Sensation als erstes Smartphone ausgeweitet. In Österreich startet Watch im Juni mit anfangs etwa 600 Filmen. Das Unternehmen will das Angebot schnell ausbauen und befindet sich nach eigenen Angaben in Gesprächen mit großen Filmstudios. Zu den Preisen der Filme ist noch nichts bekannt. Wie bei Apples iTunes können sie entweder gekauft oder für 48 Stunden ausgeliehen werden. Wer einen Film kauft, erwirbt damit allerdings nicht das Recht, ihn auf jedem beliebigen Gerät ansehen zu können. Die Wiedergabe der Watch-Filme ist auf maximal fünf HTC-Geräte beschränkt. Eventuell soll Watch in Zukunft auch auf anderen Geräten laufen, HTC wollte sich hier jedoch nicht festlegen.

Fazit

Um ein aussagekräftiges Urteil über die Performance und die Laufzeiten des 1520 mAh-Akkus treffen zu können, bedarf es einer längeren Beobachtung. Das Sensation reiht sich dem ersten Kurztest zu urteilen jedoch nahtlos in die Serie guter Android-Smartphones von HTC, bzw. führt das Portfolio des Herstellers nun an. Der Preis von 599 Euro ist nicht gerade niedrig angesetzt, aber für diese Geräteklasse durchaus üblich. Das HTC Sensation wird im Mai zunächst bei Vodafone erhältlich sein, dessen Partner in Östereich A1 ist, und im Juni bei anderen Providern und Händlern folgen. (Birgit Riegler aus London/ derStandard.at, 17. April 2011)

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  • HTC hat in London sein neues Android-Flaggschiff Sensation präsentiert.
    foto: derstandard.at/birgit riegler

    HTC hat in London sein neues Android-Flaggschiff Sensation präsentiert.

  • Das Display des Sensation bietet nun eine höhere Auflösung als frühere HTC-Modelle, was sich positiv auf die Lesbarkeit auswirkt.
    foto: derstandard.at/birgit riegler

    Das Display des Sensation bietet nun eine höhere Auflösung als frühere HTC-Modelle, was sich positiv auf die Lesbarkeit auswirkt.

  • Dank eines Dual Core-Prozessors starten Apps flott, Websites laden schnell und der Wechsel zwischen den Homescreens erfolgt ohne Ruckeln.
    foto: derstandard.at/birgit riegler

    Dank eines Dual Core-Prozessors starten Apps flott, Websites laden schnell und der Wechsel zwischen den Homescreens erfolgt ohne Ruckeln.

  • Auf Android 2.3 Gingerbread hat HTC seine eigene Oberfläche Sense 3.0 aufgesetzt, die nun einen neuen Lockscreen bietet. 
    foto: derstandard.at/birgit riegler

    Auf Android 2.3 Gingerbread hat HTC seine eigene Oberfläche Sense 3.0 aufgesetzt, die nun einen neuen Lockscreen bietet. 

  • Mit dem Video-on-demand-Service Watch will sich HTC von anderen Anbietern abheben.
    foto: derstandard.at/birgit riegler

    Mit dem Video-on-demand-Service Watch will sich HTC von anderen Anbietern abheben.

  • Sense 3.0 setzt unter anderem auch auf neue Special Effects beim Wetter Widget, wirkt insgesamt jedoch bereits etwas aufgeblasen.
    foto: derstandard.at/birgit riegler

    Sense 3.0 setzt unter anderem auch auf neue Special Effects beim Wetter Widget, wirkt insgesamt jedoch bereits etwas aufgeblasen.

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