Streit um Facebook: Der Holzhändler greift an

12. April 2011, 21:53
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Paul Ceglia erhebt Anspruch auf mindestens die Hälfte des Online-Netzwerks

Alle wollen ein Stück vom Milliardenkuchen Facebook: Kaum sind zwei ehemalige Kommilitonen von Mark Zuckerberg, die ihm Ideenklau vorwarfen, endgültig vor Gericht gescheitert, legt auch schon der nächste Anwärter nach.

"The Face Book"

Der Holzhändler Paul Ceglia erhebt Anspruch auf mindestens die Hälfte des Online-Netzwerks und ergänzte seine Klage um einen angeblichen E-Mail-Wechsel mit Zuckerberg. Er beruft sich auf einen Vertrag von 2003, in dem der Teenager Zuckerberg ihm die Hälfte an der Website "The Face Book" zugesichert habe, sowie jeweils einen weiteren Prozent für jeden Tag Verzug, wenn die Seite nicht zum 1. Januar 2004 fertig werde. Facebook weise die E-Mails ebenso wie bereits den Vertrag als "Fälschung" zurück, berichtete das Blog "Business Insider" am Dienstag.

Der Fall der Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss erregte bisher viel mehr Aufmerksamkeit und wurde sogar im Hollywood-Film "The Social Network" verewigt. Die Brüder scheiterten am Montag vor einem kalifornischen Gericht mit ihrem Versuch, einen Vergleich aus dem Jahre 2008 zu annullieren, der ihnen damals 65 Mio. Dollar (44,9 Mio. Euro) eingebracht hatte. Sie hofften, erheblich mehr Geld herausschlagen zu können.

Kommilitonen

Die Winklevoss-Zwillinge hatten zu Studienzeiten ihren Kommilitonen Zuckerberg als Programmierer für eine eigene Website engagiert, die sie zusammen mit ihrem Partner Divya Narendra aufbauen wollten. Zuckerberg, so behaupten die Winklevoss-Brüder, habe ihnen jedoch ihre Idee gestohlen und klammheimlich sein eigenes Soziales Netzwerk namens Facebook aufgezogen. Das ist heute ein Unternehmen mit einem geschätzten Wert von mehr als 50 Mrd. Dollar.

Zuckerberg ließ sich 2008 auf einen Vergleich ein, um den Streit aus der Welt zu räumen. Damals bekamen die Zwillinge 20 Mio. Dollar in bar und 45 Mio. Dollar in Aktien zugebilligt. Die Winklevoss-Brüder wollten den Vergleich jedoch später rückgängig machen: Sie führten an, die Gegenseite habe sie über den wahren Wert von Facebook getäuscht und sie hätten deshalb eine viel zu niedrige Summe erhalten.

"Aus irgendwelchen Gründen wollen sie nun aussteigen"

Das dreiköpfige Berufungsgericht in San Francisco wies diese Sichtweise jedoch zurück und sprach von einem "vorteilhaften Deal", den die Kläger damals mit Hilfe eines ganzen Teams aus Anwälten und Finanzberatern ausgehandelt hätten. "Aus irgendwelchen Gründen wollen sie nun aussteigen", schrieb der Vorsitzende Richter Alex Kozinski in der Urteilsbegründung. "Wie schon das Bezirksgericht sehen wir aber keinen Grund dafür, das zu gestatten. An irgendeinem Punkt muss ein Rechtsstreit enden. Und der Punkt ist jetzt erreicht."

Ohnehin haben die Ex-Kommilitonen weit mehr als die ursprünglich veranschlagten 65 Mio. Dollar in der Tasche. Denn die Aktien, die sie erhielten, sind kräftig im Wert gestiegen. Mittlerweile ist von bis zu 150 Mio. Dollar die Rede, die die Kläger ihr Eigen nennen dürfen. Der Wert von Facebook war damals mit 15 Mrd. Dollar angesetzt worden. Mittlerweile reißen sich Investoren wie die US-Investmentbank Goldman Sachs um Anteile, was den Wert steil nach oben getrieben hat.

2.000 Dollar

Nach Angaben des Holzhändlers Ceglia soll Zuckerberg 2.000 Dollar für die Entwicklung von "The Face Book" bekommen haben. Ceglia fühlt sich betrogen, weil Zuckerberg behauptet habe, dass die Seite erfolglos sei und er sie dichtmachen wolle - während er mit Risikoinvestoren über eine kräftige Kapitalspritze verhandelt habe.

Der Holzhändler hatte eine erste Klage bereits im vergangenen Sommer eingereicht und greift nun mit mehr Material und einer neuen Anwaltsfirma erneut an. Allerdings war der Mann selbst ins Zwielicht geraten. Nach früheren US-Medienberichten beschuldigen ihn Kunden seines Holzbrennstoffgeschäfts, zwar Geld kassiert, aber keine Ware geliefert zu haben. (APA)

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