Kirche lamentiert über Haager Tribunal

12. April 2011, 21:37
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Kommission der Bischofskonferenz "Iustitia et pax" stellt sich hinter Kriegsverbrecher Gotovina

Zagreb - In Kroatien steigt angesichts des baldigen Urteils für die drei Generäle Ante Gotovina, Ivan Cermak und Mladen Markac in Den Haag, die Spannung. Die Kommission der kroatischen Bischofskonferenz, Iustitia et pax, warf dem Gericht vor, die Tatsache nicht genügend gewürdigt zu haben, dass Kroatien das Opfer serbischer Aggressoren gewesen sei. Das zeige die Anklage, die auf "Verabredung zu Verbrechen" laute, und somit unter anderem den verstorbenen Präsidenten Franjo Tudjman anprangere. Angesichts der Urteilsverkündung rief die Organisation die Bürger auf, Ruhe zu bewahren.

In einer Stellungnahme warf die Kommission der kroatischen Regierung der damaligen Zeit (2000) Fehler in der Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal vor. Namentlich wurde niemand genannt, doch die Kritik bezog sich auf den ehemaligen Staatspräsidenten Stjepan Mesic und die Regierung des sozialdemokratischen Premiers Ivica Racan, interpretierte "Vecernji list".

"Wahre Täter"

Die Kirche räumte ein, dass niemand leugnen könne, dass auch auf kroatischer Seite Kriegsverbrechen passiert seien, doch einen Prozess führen sollte man gegen die wahren Täter und nicht gegen Verdächtige nach der politischen Gesinnung. Iustitia et pax warf dem Gericht auch vor, dass es gegen die Politik der Aggression und der Besetzung von Kroatien und Bosnien und Herzegowina keine Anklage wegen "Verabredung zum Verbrechen" erhoben habe, für die Befreiung eines besetzten Gebietes aber schon.

Am Freitag veröffentlicht das Tribunal in Haag die Urteile gegen die Generäle. Ihnen drohen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen zwischen 17 und 27 Jahren Haft. Kroatische Politiker und Rechtsgelehrte wehren sich gegen die Anklage die auf "Verabredung zum Verbrechen" lautet, da sie impliziert, dass bei der Militäraktion "Sturm" ("Oluja") 1995, bei der kroatisches Gebiet befreit wurde, ethnische Säuberungen ein politisches und militärisches strategisches Ziel Kroatiens waren. Die Kirche hat die Gläubigen aufgefordert, für Freisprüche zu fasten und zu beten. Unterdessen hat die Veteranen-Organisation "Lichtträger des Heimatkrieges" am Dienstag in Pakostani (Geburtsstadt von Gotovina) ihre Pilgerfahrt nach Knin (Aktion "Oluja") begonnen. (APA)

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