Mormone Romney kündigt Kandidatur an

12. April 2011, 00:14
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Präsidentschaftswahl: Einer der großen Verlierer von 2008 tritt wieder zu Vorwahlen der Republikaner an

Im karierten Hemd, ohne Krawatte, steht Mitt Romney in einem Football-Stadion. Kleidung und Kulisse, beides soll solide Bodenständigkeit signalisieren. Kein Zufall auch, dass sich die Arena in New Hampshire befindet. Traditionsgemäß richtet der nordöstliche Bundesstaat nach Iowa die zweite Runde der Primaries aus, und manchmal fallen schon in New Hampshire die Würfel.

Jedes Wort, jede Geste wirkt, als hätte Romney stundenlang vor dem Spiegel geübt. Er hat ihn perfekt durchgeplant, seinen Start ins Rennen ums Weiße Haus. Genau genommen verkündet der Republikaner nur, dass er ein Sondierungskomitee gründet, welches herausfinden soll, ob es sich lohnt für ihn, ins Rennen zu gehen. Rein wahlkampftechnisch ist ein solcher Schritt die Voraussetzung, um überhaupt Spenden sammeln zu können. Alles Formalien: In der Sache zweifelt niemand daran, dass der schwerreiche Geschäftsmann sein Glück zum zweiten Mal versucht.

Im Jahr 2008 hatte er zu hölzern gewirkt, als dass ihm Sympathien zugeflogen wären. Gegen den Witz John McCains stand Romney, der 40 Millionen Dollar aus eigener Tasche in seine Kampagne steckte, auf verlorenem Posten. Heute baut der Verlierer auf eine veränderte Stimmungslage. Nach Finanzkrise und Rezession, hofft der Mann ohne Charisma, stehen kühle Wirtschaftsmanager vielleicht höher im Kurs als Kandidaten mit Unterhaltungswert.

"Über zwanzig Millionen Amerikaner können noch immer keinen Job finden oder haben es aufgegeben, danach zu suchen", beschreibt er zum Auftakt die Lage. "Wie kann das passieren in einem Land, das die Welt in Sachen Innovation und Produktivität anführt?" Schuld, sagt Romney, sei die Politik Barack Obamas. Weder der Präsident noch seine Berater hätten ihr Geld je in der realen Wirtschaft verdient. Sie wüssten nicht, wie man Arbeitsplätze schaffe. Er dagegen, Unternehmer seit den 1980ern, wisse das sehr genau.

Es ist dieselbe Leitmelodie wie 2008, als der Gründer eines Wagniskapital-Fonds auf "Leute in Washington" schimpfte, die "ihr Leben lang nur Politiker waren" . Genau wie damals, als er in den Umfragen der Republikaner anfangs vorn lag, kommt er heute früher in Fahrt als seine Rivalen. Von den ernsthaften Bewerbern warf bisher nur Tim Pawlenty, der Ex-Gouverneur Minnesotas, seinen Hut in den Ring, während die glamouröse Sarah Palin zwar die Schlagzeilen beherrscht, aber nicht daran denkt, Farbe zu bekennen. Abzuwarten bleibt, wie Romney in der Hitze der Primaries zurechtkommt mit seiner doppelten Achillesferse.

Als Gouverneur von Massachusetts (2003 bis 2007) organisierte er eine Gesundheitsreform, die sich heute ausnimmt wie das Vorbild für Obamas Novelle. Aus Sicht der Rechten ist er dem Sozialismus damit gefährlich nahegekommen, die Tea Party wird ihn ihre Wut noch spüren lassen. Zum anderen ist der 64-Jährige Mormone. Evangelikale Christen, die bei der Kandidatenkür der Konservativen ein gewichtiges Wörtchen mitreden, halten die Mormonen bis heute für eine suspekte Sekte. (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 13.4.2011)

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    Mitt Romney will es nochmal wissen

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    Der Republikaner Mitt Romney will 2012 erneut versuchen Präsident zu werden.

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