Fehlende Ortschaften

11. April 2011, 18:28
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SUETSCHACH

Dass der Ort Suetschach in der Gemeinde Feistritz im Rosental nicht in der Liste des aktuellen Ortstafel-Kompromisses aufscheint, tut dem Rat der Kärntner Slowenen besonders weh.

Denn Suetschach besitzt für die katholisch-konservativen Kärntner Slowenen hohen Symbolwert. Hier befindet sich sozusagen ihr kulturelles Zentrum des gesamten Rosentals. Suetschach verfügt über Museen, Galerien und zahlreiche Vereine, die das funktionierende zweisprachige Leben widerspiegeln. Auch die Familie des Ratsvorsitzenden und Chefverhandlers der Kärntner Slowenen, Valentin Inzko, wohnt hier. Allerdings: Von 577 Einwohnern zählen laut Statistik Austria nur 15,8 zur slowenischen Volksgruppe. Damit liegt Suetschach knapp unter der 17, 5-Prozent-Klausel, die von Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) und Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) für zweisprachige Ortstafeln vorgegeben wird.

Die Feistritzer SP-Bürgermeisterin Sonya Feinig könnte sich eine zweisprachige Ortstafel für Suetschach vorstellen, doch laut sagen will sie das nicht.


DIESCHITZ

In der Gemeinde Velden (BH Vollach-Land) Dieschitz/Desèice. Sie ist ebenfalls eine von den sieben Ortstafeln, die unter eine 15-Prozent-Klausel fallen würden, mit der auch der Rat der Kärntner Slowenen einverstanden wäre. Bei der Volkszählung 2001 zählte Dieschitz 122 Einwohner. 15,4 Prozent davon sind slowenisch-sprachig. Dieschitz steht als warnendes Beispiel für einen hohen Assimilierungsdruck. 1951 gab es dort noch 79 Prozent Kärntner Slowenen. Vor dem Ortstafelsturm 1972 gab es immerhin noch 39,3 Prozent. Doch bei der Ortstafelverordnung 1977 blieb Dieschitz ausgeklammert.

SPÖ-Bürgermeister Ferdinand Voul hat kein Problem mit der Volksgruppe in seiner Gemeinde Velden, die immerhin 8617 Einwohner zählt. Auch nicht mit einer zweisprachigen Ortstafel für Dieschitz - aber: "Zuerst soll der ausverhandelte Kompromissvorschlag beschlossen und umgesetzt werden", sagt Vouk. Später könne Dieschitz im Rahmen der Gemeindeautonomie eine zweisprachige Ortstafel bekommen. Allerdings muss sich dafür erst eine Mehrheit im Gemeinderat finden.


VELLACH

Vellach/Bela ist eine Ortschaft in der zweisprachigen Gemeinde Bad Eisenkappel. Sie war bereits in der Ortstafelverordnung 1977 enthalten, ebenso wie der Hauptort Bad Eisenkappl / Zelena Kapla. Die zweisprachigen Ortstafeln wurde aber nicht aufgestellt. 2005 verordnete die BH Völkermarkt ein zweisprachiges Ortsschild für Vellach. Als der verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider davon erfuhr, ließ er einen Bautrupp anrücken, um die Tafel wieder entfernen zu lassen.

Doch der Eisenkappler Bürgermeister Franz-Josef Smritnig (EL-Slowenische Einheitsliste) leistete erbittert Widerstand und kettete sich an die zweisprachige Ortstafel an, um so die Demontage zu verhindern.

Just auf die Ortstafel von Vellach-Bela könnte Smrtnig jetzt im aktuellen Ortstafel-Kompromissverzichten und dafür eine andere zweisprachige Ortstafel eintauschen, etwa Suetschach. Dasselbe könnte er sich auch für Weißenbach/Bela mit 17,5 Prozent Slowenen-Anteil vorstellen, die neu in den Verordnungsentwurf aufgenommen wurde. Sie könnte später wieder aufgestellt werden. (stein, DER STANDARD; Printausgabe, 12.4.2011)

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