"Für mich ein Glück, im Durchschnitt ein Wahnsinn"

11. April 2011, 20:34
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Horst Pirker wörtlich in seiner Strategie-Lehrveranstaltung: "In Kroatien ein Riesenglück, das kann auch schiefgehen"

Das war zufällig für mich ein Glück, ist aber im Durchschnitt ein Wahnsinn. Horst Pirker empfiehlt Studenten Nachdenken und Nachspüren vor der Jobwahl.

Ich möchte Sie gerne davon überzeugen, dass es Sinn macht, vorher nachzudenken. Das klingt so banal, aber es findet nicht statt. Pirker über strategisches Vorgehen, ob als Unternehmen, Person oder Organisation.

Er legte seine Karriere anfangs anders an: Ich habe nicht viel nachgedacht. Eigentlich wollte ich Anwalt werden, habe dann eine Gelegenheit ergriffen, als Assistent der Geschäftsführung im Medienbereich zu beginnen. Das war zufällig für mich ein Glück, ist aber im Durchschnitt ein Wahnsinn. Weil ich nicht getan habe, was ich wirklich eigentlich wollte. Damals jedenfalls.

Und dennoch betont er: Das Nutzen von Gelegenheiten ist möglicherweise giftig.

Es gebe aber schon Fälle, wo man hinterher draufkommt, das könnte eine Strategie auch werden.

Zum Beispiel bei einer wesentlichen Entscheidung Pirkers als Styria-Chef: Ich habe das Angebot bekommen, in Kroatien eine Zeitung zu kaufen. Aus dieser Gelegenheit ist dann eine Strategie geworden, nämlich: den südosteuropäischen Raum zu erschließen.

Ergo: Es kann auch aus einer Gelegenheit eine Strategie werden. Allerdings rate ich sehr davon ab, Gelegenheiten zur Strategie zu erklären. Ich habe da in Kroatien ein Riesenglück gehabt, aber das kann auch ganz schiefgehen.

Statt mit Strategieentwicklung mit der Maßnahmenebene zu beginnen, ist falsch. Aber alle machen's - oder viele.

Wozu treiben wir das alles, was wir da tun? Unternehmen sollten ihre Mission klären. Das wäre eine zentrale Frage dabei.

Ein Geschäftsmodell ist zentraler Treiber, die Schlüsselfrage unternehmerischer Tätigkeit. Sie wird viel zu selten gestellt.

Themenwechsel, im weiteren Sinne über Ist-Analyse:

Wer glaubt, die Wahrheit gepachtet zu haben, irrt verlässlich. Das trifft zum Beispiel auf Kirchen zu. Pirker, bis 2010 Chef der Styria Media Group im Besitz der Katholische Medien Privatstiftung und des Katholischen Medienvereins.

Wer Ihnen sagt, er weiß, was die Wahrheit ist, der muss Ihnen immer a priori verdächtig sein.

Ich weiß nicht, was die Wahrheit ist, ich möchte unverdächtig bleiben. Ich will wahrhaftig sein.

Und wofür arbeitet man? Niemand arbeitet nur für Geld. Vielleicht eine Phase, ja. Und es mag schon reine Söldner geben. Aber nur für Geld zu arbeiten, greift zu kurz. es braucht einen Sinn darüber. Es braucht nicht übersinnlich sein, Sie brauchen nicht für's Jenseits arbeiten. Aber es muss Sinn stiftend, also sinnvoll sein.

Viele gute Ideen sind an schlechter Umsetzung zugrunde gegangen.

Das Ecosystem von Apple ist eines der spannendsten neuen Kapitel der Betriebswirtschaft. Apple ist der Prototyp.

Ein Gegenbeispiel sind für Pirker Autohändler, die im Wesentlichen eine Spanne dafür verlangten, dass sie dem Kunden beim Aussuchen helfen und das Auto ausliefern. 2011 als Geschäftsmodell zu formulieren, man wolle etwa größter Autohändler von Graz werden, hält Pirker für schlicht lebensgefährlich.

 

 

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    Horst Pirker

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