Starke Heldin voller Widersprüche

11. April 2011, 17:22
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"Lady Macbeth von Mzensk": Als Grazer Erstaufführung neu einstudierten Staatsopern-Inszenierung von Matthias Hartmann

Mit seiner tragisch-satirischen Oper Lady Macbeth von Mzensk forderte Schostakowitsch Anfang der 1930er-Jahre die vernichtende Ablehnung durch Stalin heraus - dessen Büste liegt in der als Grazer Erstaufführung neu einstudierten Staatsopern-Inszenierung von Matthias Hartmann umgestürzt auf dem Boden. Der 26-jährige Komponist hatte einen Novellenstoff des 19. Jahrhunderts zu einer radikalen Darstellung der Situation der Frau umgedeutet.

Stark und leidenschaftlich, aber ungebildeter als der Knecht, der die Analphabetin um ein Buch bittet, ist die unbefriedigte Kaufmannsgattin Katerina Ismailowa (Mlada Khudoley) nicht nur ihrer Langeweile, sondern auch dem Widerspruch der feudal patriarchalischen Gesellschaft ausgesetzt. Das macht die kinderlose Katerina zur leichten Beute für den notorischen Verführer Sergej (Herbert Lippert). Wie ihr Vorbild bei Shakespeare beginnt auch die rothaarige Katja über Leichen zu gehen, um ihr Ziel - geliebt zu werden - zu erreichen. Ein Weg, der tragisch enden muss und zu dessen stimmlicher und darstellerischer Gestaltung dem gesamten Ensemble, allesamt Rollendebütanten, nur zu gratulieren ist!

Am Pult malt Chefdirigent Johannes Fritzsch mit kräftigen Farben und animiert die exakt musizierenden Grazer Philharmoniker zu grellen Kontrasten. Fritzsch kostet die nachdenklichen Phrasen der erzählenden Orchesterzwischenspiele aus und stellt sie den bedrohlichen Ausbrüchen oft mit Holzhammer gegenüber. Die von Wolfgang Schilly betreute Inszenierung ist merkwürdig widersprüchlich. Sie beeindruckt dort, wo der Schauspielregisseur Hartmann die Figur der Katerina mit einer ausdrucksstarken Darstellerin wie Mlada Khudoley psychologisch herausarbeitet. Sie wird holzschnittartig und klischeehaft, wo sie auf Satire und Realismus setzt. (frak, DER STANDARD - Printausgabe, 12. April 2011)

Oper Graz, 0316/80 00, 13., 16., 28. 4. 19.00

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