MOL und Regierung ringen um Mehrheit an INA

10. April 2011, 09:46
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Krimi um kroatische INA: Die Spur führt in die Slowakei - INA-Aktie seit zwei Wochen vom Handel ausgesetzt

Zagreb - Das Wettrennen um die Mehrheit am kroatischen Erdölkonzern INA zwischen der ungarischen MOL (47,26 Prozent) und der kroatischen Regierung (44, 84 Prozent) nimmt eine neue Dimension an. Schon seit zwei Wochen ist die INA-Aktie vom Handel an der Zagreber Börse ausgesetzt. Ob der Handel am Montag wieder aufgenommen wird, ist fraglich. Die kroatische Finanzmarktaufsicht lässt den Verdacht prüfen, dass die Ungarn insgeheim über Strohmänner INA-Anteile aufkaufen.

Die Finanzmarktaufsicht HANFA sah sich am 28. März zur Aussetzung der INA-Aktie vom Börsenhandel veranlasst, nachdem unbekannte Bieter eine große Anzahl INA-Aktien gekauft und damit den Preis unerwartet hochgetrieben hatten. "Wann der Handel wieder aufgenommen wird und wer hinter den Bietern steckt, darüber möchte ich nicht spekulieren", so Stipe Luetic, Analyst bei der Splitska Banka (Societe General) zur APA.

Dafür spekulieren die kroatischen Medien umso mehr und gleich in mehrere Richtungen. Zwei Spuren führen zu Geschäftsleuten in der Slowakei, die über zypriotische Gesellschaften fleißig Aktien gekauft haben sollen. Einer der Käufer soll der reiche slowakische Unternehmer Jozef Tkac sein. Er soll über die auf Zypern registrierte Firma J&T für Dritte INA-Aktien gekauft haben. J&T wiederum soll über mehrere auf Zypern registrierte Firmen Anteile an der tschechischen Erdölfirma Unipetrol halten, berichtete die slowakische Wirtschaftszeitung "Hospodarske noviny".

Die Finanzmarktaufsicht HANFA selbst äußerte in einer Anzeige an die kroatische Staatsanwaltschaft DORH den Verdacht, dass ein mit der Unterwelt in Verbindung gebrachter Mann namens Mario Hoffmann ebenfalls über Gesellschaften auf Zypern mit Geld zweifelhafter Herkunft (Stichwort Geldwäsche) Aktien gekauft habe, berichtete die kroatische Zeitung "Vecernji list". Der Zukauf soll für die ungarische MOL getätigt worden sein, MOL habe auf diese Weise, so die Vermutung der HANFA, Marktmanipulation betrieben. MOL und Hoffmann dementierten die Medienberichte.

"Wie es mit der INA-Aktie weitergeht, ist schwer zu sagen, denn es sind zu viele Unbekannte im Spiel", sagte der Analyst Stipe Luetic zur APA. Der letzte Preis, der für eine Aktie geboten wurde, war 4.010 Kuna (545 Euro). "Dieser hohe Preis ist Ausdruck des großen Interesses im erwarteten Kampf um das Mehrheitspaket", sagte der Experte. "Für den Fall, dass der Mehrheitserwerb auf irgendeine Art und Weise verhindert wird, ist eine Korrektur des Preises zu erwarten."

Die kroatische Regierung hatte erwogen, per Gesetz zu verhindern, dass irgendeine Seite mehr als 49 Prozent an der INA halten kann. Die Änderung soll beschlossen werden, wenn die Identität des geheimen Bieters feststeht. Der Kampf begann Ende des vergangenen Jahres, als MOL Kleinaktionären 2.800 Kuna pro Aktie anbot. Kroatische Pensionsfonds hielten mit 30 Kuna mehr dagegen und besitzen nun insgesamt 4 Prozent der INA. Es hieß, sie würden für die Regierung bieten. Die anonymen Käufer halten derzeit 1,61 Prozent. Um die verbleibenden 2 Prozent wird der Kampf geführt. Das MOL-Angebot an die Kleinaktionäre außerhalb der Börse endete am 14. Jänner; da hatte sich der INA-Aktienkurs mit 3.350 Kuna infolge des Übernahmeangebots fast verdoppelt. (APA)

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