Japan sieht Wirtschaft in "schlimmer Lage"

8. April 2011, 15:07
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Die japanische Wirtschaft muss sich nach der verheerenden Naturkatastrophe wohl auf eine längere Durststrecke einstellen

Tokio - Schlechte Stimmung, niedrige Produktion, drohende Stromausfälle: Die japanische Wirtschaft muss sich nach Prognose von Regierung und Zentralbank nach der verheerenden Naturkatastrophe auf eine längere Durststrecke einstellen. Die Stimmung unter den Dienstleistern fiel deshalb auf ein Zwei-Jahres-Tief. Es gibt aber auch positive Signale: Der weltgrößte Autobauer Toyota will noch in diesem Monat seine Produktion wieder hochfahren.

"Japans Wirtschaft ist wegen der Folgen des Erdbebens abrupt in eine schlimme Lage geraten", schrieb die Regierung am Freitag nach ihrer monatlichen Umfrage unter Dienstleistern. Deren Geschäftsklima ist so schlecht wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. In der Industrie sieht es derzeit noch trüber aus. "Die Produktion wird bis auf weiteres niedrigem Niveau verharren", schrieb die Notenbank in ihrem Monatsbericht. Erst wenn die durch das Erdbeben und den Tsunami vor vier Wochen unterbrochene Zulieferer-Kette intakt sei, werde die Produktion wieder anspringen.

Konkrete Prognosen wagte die Bank of Japan noch nicht. Die Finanzmärkte warten mit Spannung auf den halbjährlichen Konjunkturausblick, den die Notenbank am 28. April veröffentlichen will. Aus deren Umfeld verlautete, dass die Währungshüter mit einer Erholung der Wirtschaft im kommenden Jahr rechnen.

Energie sparen

Die Regierung rief die Unternehmen und Privathaushalte auf, wegen der Schäden an Kraftwerken und Leitungen in den Sommermonaten Energie zu sparen. Damit sollen größere Stromausfälle verhindert werden, die eine Erholung der nach den USA und China drittgrößten Volkswirtschaft der Welt verzögern könnten. Die Tokioter Börse reagierte bereits und erklärte, damit würden ihre Pläne für längere Handelszeiten hinfällig.

Die Aktienmärkte in Fernost haben zum Wochenausklang zugelegt. Anleger reagierten erleichtert, dass das jüngste Beben in der japanischen Katastrophen-Region glimpflich verlief und keine größeren Schäden anrichtete. Die Nachricht von den neuen Erdstößen hatte die Börsen in den USA und in Europa am Vorabend noch ins Minus gedrückt.

Der japanische Nikkei-Index konnte inzwischen mehr als zwei Drittel seiner Verluste nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami am 11. März wieder aufholen. Experten mahnten aber auch wegen der andauernden Unsicherheiten über die Folgen der Katastrophe im AKW Fukushima zu Vorsicht. "Die Leute kaufen zwar gerade Aktien, aber das wird nicht so lange anhalten", sagte Fondsmanager Mitsushige Akino von Ichiyoshi Investment Management. "Die Aussichten für die wirtschaftlichen Fundamentaldaten und die Geschäfte der Unternehmen bleiben unklar."

Zu den Gewinnern in Tokio zählte am Freitag Toyota. Der weltgrößte Autobauer kündigte an, die durch das Beben unterbrochene Produktion in seinen japanischen Werken bis Ende des Monats zumindest wieder zu 50 Prozent anzufahren. Die Toyota-Aktie legte 1,4 Prozent zu. Rivale Honda erklärte, in zwei bis drei Monaten wieder mit voller Kraft produzieren zu können. Die Honda-Titel gewannen ebenfalls 1,4 Prozent. (APA/Reuters)

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