"Es wird ein Staubfressen"

8. April 2011, 13:41
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Am Sonntag nehmen die Helden der Landstraße zum 109. Mal den Weg von Paris nach Roubaix in Angriff - Bernhard Eisel will unter die Top-Ten

Compiegne - Selbst für die hartgesottenen Radprofis sind sie kein Zuckerschlecken. Die 258 kraftraubende Kilometer, davon über 50 auf den berühmt-berüchtigten Pflastersteinen, werden bei der 109. Auflage des Frühjahrsklassikers Paris - Roubaix dem Peloton wieder das Letzte abverlangen. Die "Hölle des Nordens" ruft, und Titelverteidiger Fabian Cancellara geht mit den besten Aussichten an den Start. Und auch mit Dreifach-Sieger Tom Boonen sowie Weltmeister Thor Hushovd wird beim spektakulären Ritt durch Staub (oder Schlamm) zu rechnen sein. 25 Teams schicken in der französischen Hauptstadt ihre Fahrer an den Start, über 30 Fernseh-Sender werden das Rennen in 186 Länder übertragen.

Nach der knapp verpassten Titelverteidigung bei der Flandern-Rundfahrt vor einer Woche will Cancellara am Sonntag zurückschlagen und den Klassiker wie im Vorjahr für sich entscheiden. 2010 war der Schweizer der Konkurrenz im Finale in beeindruckender Manier als Solist enteilt und hatte schließlich mit großem Vorsprung das Velodrom von Roubaix erreicht . "Ich werde wieder der Favorit sein, es werden wieder alle gegen mich fahren. Diese Bürde habe ich mir selbst auferlegt. Ich werde mir die richtige Taktik zurechtlegen müssen", sagte der Leopard-Profi der Berner Zeitung. 

In Flandern hatte er sich im Sprint dem Belgier Nick Nuyens und dem Franzosen Sylvain Chavanel geschlagen geben müssen, doch das focht Cancellara nicht an: "Ich habe gezeigt, dass ich stark bin. Das gibt mir Kraft für die nächsten Rennen." Nuyens lässt Paris-Roubaix aus, zudem findet Cancellara bei der "Königin der Klassiker" einen noch stärker auf seine Stärken zugeschnittenen Kurs vor. Das Fehlen von nennenswerten Steigungen und die kräfteraubenden 27 Kopfsteinpflaster-Passagen über insgesamt 51 Kilometer kommen seinen Qualitäten sehr entgegen. Kaum einer kann so lange in hohem Tempo marschieren wie der in vielen Zeitfahren geeichte Schweizer. 

Auch Bernhard Eisel rechnet sich nach zuletzt guten Auftritten (14. bei der Flandern-Rundfahrt, 7. bei Gent-Wevelgem) wieder ein Spitzenergebnis aus. Sein bisher bestes Roubaix-Resultat erzielte der Steirer 2006 mit Platz fünf - und auch diesmal peilt der Österreicher einen Platz unter den besten Zehn an. "Das ist die Vorgabe. Die Form stimmt zu 100 Prozent, daran darf es jedenfalls nicht scheitern", sagte der 30-Jährige. Er liebt und hasst das Rennen gleichermaßen. "Du bist permanent am Anschlag. Selbst Stunden nach dem Zieleinlauf kannst du nichts richtig angreifen, weil es dich noch am ganzen Körper schüttelt."

Eisel ist der einzige Österreicher am Start, und bildet mit dem Australier Matthew Goss, der bereits Mailand - San Remo gewonnen hat, die Speerspitze seines Teams HTC-Highroad. Sportdirektor Allan Peiper teilte selbst Mark Cavendish, immerhin Sieger von 15 Tour-de-France-Etappen, zur Unterstützung Eisels ein. "Wir haben drei Außenseiter mit guten Chancen am Start", meinte Peiper.

Planbar ist der Erfolg aber gerade auf dem Weg durch Nordfrankreich Richung Roubaix nicht. "Material und Glück machen schon etwa 50 Prozent aus", schätzt Eisel.  Dazu kommen die sich über dem flachen Terrain austobenden wechselnde (Gegen)winde, die schon so viele Fluchten beendet haben. War das Rennen in den vergangenen Jahren oft zur Schlammschlacht ausgeartet, so wartet diesmal das Gegenteil auf die Fahrer. Eisel: "Es wird ein Staubfressen werden."

Außer Boonen und Cancellara, der 2006 als erster Schweizer in Roubaix triumphierte, sind im Australier Stuart O'Grady und Frédéric Guesdon aus Frankreich zwei weitere ehemalige Sieger im Feld mit dabei. Sollte Boonen am Sonntag den Siegerpokal - einen Pflasterstein - erneut überreicht bekommen, würde er eine Rekordmarke egalisieren. Bislang hat lediglich sein belgischer Landsmann Roger De Vlaeminck den seit 1896 ausgetragenen Klassiker viermal gewonnen. (red/sid/APA)

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    Frühjahrsputz auf Nordfrankreichs Feldwegen, die am Sonntag zum 109. Mal die Herren Radprofis in ihrer archaisch-anachronistischen Jagd nach Roubaix adeln werden

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    Fabian Cancellara nahm die Angelegenheit schon einmal in einer Testfahrt unter die Räder.

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