"Stresstest ist erheblich strenger"

7. April 2011, 18:50
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EBA-Chef Enria verlangt einheitliche Kapitalregeln in der EU

Europas Bankenaufsicht wurde zwar für die langfristige Neuregulierung des EU-Finanzsystems geschaffen. Doch Andrea Enria, Chef der seit Jänner aktiven European Banking Authority (EBA), ist derzeit hauptberuflich mit dem Stresstest beschäftigt. 88 Geldinstitute in Europa werden bis Juni überprüft. Enria hofft, der neue Test werde das Vertrauen in das europäische Finanzsystem stärken: "Der aktuelle Stresstest ist erheblich strenger." Er sei deutlich näher an der Eigenkapitalrichtlinie Basel III, die ab 2013 umgesetzt werden soll, und habe nicht die "offensichtlichen Mängel" der Überprüfung im Vorjahr.

Im Rahmen des Tests werden Szenarios eines wirtschaftlichen Einbruchs durchgespielt, um zu beurteilen, welche Banken besonderes Risiko haben, im Stressfall unterkapitalisiert zu sein. Darüber hinaus werden Verluste bei Aktien, Immobilien und Staatsanleihen durchgespielt. Bei einem Gespräch in Wien verteidigte Enria die EBA-Vorgabe, keine Restrukturierung von Staatsanleihen im Bankbuch zu berücksichtigen. Was der Test an Strenge vermissen lässt, soll laut Enria mit Transparenz wettgemacht werden. Bei den Staatsanleihepositionen etwa werde es eine "vollständige Offenlegung" geben. Damit könnten Bankanalysten und Investoren ihre eigenen Szenarios durchrechnen.

Deutliche Worte fand Enria am Mittwoch für die Finanzaufsicht in Europa. "Wir haben in der Vergangenheit einen schädlichen Wettbewerb bei der Regulierung gesehen", kritisierte er Alleingänge von Regulatoren, etwa bei der Zulassung von Kapitalinstrumenten. Er kündigte bei dem Treffen in Wien an, bei Schlüsselthemen künftig keine Rücksicht auf individuelle Interessen zu nehmen, sondern eine gemeinsame europäische Politik zu etablieren. Die Definition von Kapital und die Liquidität seien die zwei zentralen Punkte, so Enria. "In diesen Bereichen brauchen wir exakt dieselben Regeln."

Doch auch im Rahmen des Stresstests zeichnen sich Konflikte in dieser Frage ab. Die deutschen Finanzaufseher drängen darauf, den Banken zwei Wochen mehr Zeit zu geben. Denn EBA, Deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht liegen im Streit darüber, ob die in Deutschland verbreitete Kapitalform der "Stillen Einlagen" bei den Belastungsproben anerkannt wird. (sulu, DER STANDARD,Print-Ausgabe, 8.4.2011)

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