Wie Elsner Licht ins Dunkel bringen will

7. April 2011, 18:34
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Ruth Elsner hat ein Buch geschrieben, sie spielt den Ball zu Investor Flöttl, ihr Mann habe keinen Fehler gemacht

Wien - Ruth Elsner, Ehefrau des zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilten Ex-Bawag-Generaldirektors Helmut Elsner, hat ein Ziel: Sie will "den Fall Bawag am Leben erhalten", wie sie sagt - und dieses Ziel verfolgt die 53jährige mit aller Verve. In diversen Pressekonferenzen wurde sie nicht müde, ihren Mann frei zu sprechen und Bawag-Investor Wolfgang Flöttl zum einzig Schuldigen in der Causa Bawag zu erklären.

Worum es dabei geht, ist bekannt: Elsner und andere Ex-Vorstandsmitglieder wie Johann Zwettler oder Ex-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger wurden verurteilt, nachdem die Bank mehr als eine Milliarde Euro versenkt hat. Sie hatte das Geld Flöttl überlassen, der es verspekuliert hat (was Elsners nicht glauben). Elsner ist wegen Untreue rechtskräftig zu zehn Jahren verurteilt; die Schuldsprüche Flöttls und der meisten anderen Verurteilten hat der Oberste Gerichtshof (OGH) aufgehoben und an die erste Instanz zurück geschickt.

Ruth Elsner hat nun, da die Entscheidung für das weitere Verfahren ansteht, ein Buch veröffentlicht. Gemeinsam mit Ida Metzger von Österreich am Sonntag beschreibt sie in Für meinen Mann - Eine Frau allein gegen die Justiz mit viel Gefühl und Zorn vor allem gegen Erst-Richterin Claudia Bandion-Ortner und Staatsanwalt Georg Krakow, wie sie Elsners Behandlung, Verhaftung und den Prozess erlebt hat. Nicht ohne kleine Ausrutscher; etwa, wenn sie die "Profiteure aus dem Prozess" (Elsner zum Standard) so beschreibt: "Die Fäden ... hat der ehrgeizige Jurist Krakow gezogen, der nach dem Aufstieg der Bawag-Richterin Bandion-Ortner zur Innenministerin (sic) zu deren Kabinettchef avancierte." Oder wenn sie eine Pressekonferenz der damaligen Justizministerin Maria Berger mit Krakow anlässlich der Abholung Elsners aus Frankreich beschreibt. Diese habe am Flughafen Wien stattgefunden, dabei sei mit Sekt angestoßen worden. "Oder war es Champagner?", fragt die Autorin. Die Pressekonferenz fand jedenfalls am Abend des 13. Februar 2007 im Justizministerium statt. Der Sekt (so beobachtete damals der Standard) wurde nach der ungewöhnlichen Bekanntgabe der Verhaftung von Ministerin und weisungsgebundenem und ermittelndem Staatsanwalt ins Ministerzimmer gebracht.

Wie auch immer, begonnen hat Ruth Elsners "Kampf um Gerechtigkeit" schon zuvor, als ihr Mann in Frankreich verhaftet im Spital lag, um operiert zu werden. Elsner erinnert sich: "Er lag im Bett, angekettet wie ein wildes Tier und schämte sich dafür. ... Wer darf es sich erlauben, Menschen so zu quälen und zu demütigen?" Eine Frage, die angesichts der Erinnerungen etwa an die Abschiedsfeier für Elsner anlässlich seiner Pensionierung, nicht überrascht. Elsner zitiert im Kapitel "Das Fest" Ex-ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch, der der Bank 2000 still und leise mit einer ÖGB-Haftung beispringen musste: "Der Buchstabe E (wie Elsner; Anm. ) steht für Ertrag. Ertragreich warst du sicherlich für die Hauptaktionäre des Instituts (ÖGB und BayernLB; Anm.)."

An Prozess, Strategie und "astronomischen" Honorarnoten des Anwalts lässt Elsner kein gutes Haar - nach dem Urteil für ihren Mann und den 2, 5 Jahren für Flöttl ("Eine Farce!") stand es dann fest: "Ich musste zu seiner (Elsners) Botschafterin werden, Licht in das Dunkel dieses Skandals bringen."

In den letzten Kapiteln beschäftigt sie sich denn mit Indizien, wonach Flöttl das Geld nicht verloren habe. Mit der OGH-Feststellung, dass diese Frage für den Tatbestand der Untreue unerheblich ist, findet sie sich nicht ab. Elsner zum Standard: "Man macht nicht einen Riesentango aus einem Prozess und sucht dann nicht, wo das Geld geblieben ist. Der Prozess fand nur statt, weil die Politik das so wollte." Ob ihr Mann in der Bawag Fehler gemacht habe? Elsner: "Flöttl hat es falsch gemacht. Er hat die Bank betrogen." (Was Flöttl stets zurückgewiesen hat.) (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 8.4.2011)

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    Ruth Elsner will nun die US-Justiz mit der "Causa Wolfgang Flöttl" befassen.

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