Mit Töchtern Kinder gezeugt: Jugendwohlfahrt war gewarnt

7. April 2011, 19:49
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64-Jähriger zu 15 Jahren Haft verurteilt - Urteil nicht rechtskräftig

Feldkirch - Wegen Vergewaltigung und geschlechtlicher Nötigung ist ein 64-jähriger Mann am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch zur Höchststrafe von 15 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll sich an seinen beiden Töchtern über Jahre hinweg äußerst brutal vergangen haben. Eine der beiden Töchter wurde davon zwei Mal schwanger. Eines der Kinder starb, das zweite überlebte mit schweren Behinderungen und wohnt jetzt bei einer Pflegefamilie.

Wie Donnerstag abend bekannt wurde, war die Jugendwohlfahrt offenbar gewarnt worden. Bereits nach der Geburt des zweiten Kindes im Jahr 1986 soll der Behörde ein Gerücht zugetragen worden sein, wonach der 64-Jährige der Vater sein könnte. Die durchgeführten Erhebungen hätten damals aber keinen konkreten Verdacht ergeben, teilte am Donnerstagabend die Vorarlberger Landespressestelle in einer Aussendung mit.

Wie bei unehelichen Kindern üblich, seien die Geburten der zwei vom Vater gezeugten Kindern 1985 und 1986 der Jugendwohlfahrt gemeldet worden. Die Behörde habe sich anschließend mit der Regelung der Pflege und Betreuung der beiden Kinder befasst, hieß es.

Brutale Gewalt

Im Tatzeitraum von 1984 bis 1996 lebte die Familie an verschiedenen Orten im Bezirk Bregenz. Bei den Übergriffen ging der Mann angeblich mit großer Brutalität gegen seine Mädchen vor. So soll der Angeklagte sie nicht nur geschlagen, sondern auch mit einem Messer bedroht und so zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Aufgrund der Brisanz des Falles fand die Verhandlung von Anfang an unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Lediglich das Urteil wurde öffentlich verlesen.

Anzeige bereits 1999

Der Fall kam nach einer Anzeige der beiden Opfer ins Rollen. Die heute 43 und 38 Jahre alten Töchter zeigten ihren Vater bereits 1999 an. Der Mann wurde daraufhin per internationalem Haftbefehl gesucht, da er in seine südosteuropäische Heimat zurückgekehrt war. Nach seiner Verhaftung wurde er im April 2010 nach Österreich überstellt und saß seither in der Justizanstalt Feldkirch in Untersuchungshaft.

Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußerte sich der 64-Jährige vor Gericht praktisch nicht. Die vorgenommenen DNA-Untersuchungen und die Aussagen der Töchter zeichneten aber offenbar ein eindeutiges Bild. Der Prozess dauerte nur knapp über zwei Stunden.

Schwer traumatisiert

Über Kontakte zu einer Fürsorgeeinrichtung bzw. zur Jugendwohlfahrt finde sich in den ihm vorliegenden Akt kein Hinweis. Bei der älteren Tochter begannen die Taten 1984 - das Mädchen war damals etwa 16 Jahre alt - und endeten 1989. Ein Jahr später missbrauchte der Mann erstmals auch seine jüngere, damals 17-jährige Tochter. Ihr Martyrium dauerte bis 1996 an. Beide Frauen gaben an, durch die Übergriffe gesundheitlich schwer angeschlagen zu sein und unter den Folgen bis heute zu leiden.

Das Gericht sah die Höchststrafe als angemessen an und drückte das Ausmaß des Martyriums auch durch die relativ hohen Entschädigungen von 99.000 bzw. 19.000 Euro aus, die den schwer traumatisierten Töchtern zugesprochen wurden. Der 64-Jährige erbat sich Bedenkzeit, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, das Urteil ist nicht rechtskräftig. (APA)

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