Wiener Theater "Fleischerei" muss wandern

6. April 2011, 19:21
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Aufgabe des fixen Standorts nach Kürzung der Basisförderung

Wien - Das Wiener Off-Theaterprojekt "Fleischerei" gibt seinen fixen Standort auf. Nachdem die Stadt Wien die Basisförderung mit sofortiger Wirkung um 60 Prozent gekürzt habe, werde man das Theaterlokal in der Wiener Kirchengasse verlassen, teilte Theatermacherin Eva Brenner am Mittwoch mit. Das Ensemble hatte die Räumlichkeiten einer einstigen Fleischerei 2004 bezogen und dort an neuen Aktionsformen gearbeitet. "Damit sind sieben spannende und bunte Jahre engagierter Theaterarbeit an Schnittstellen zwischen Kunst, Theater und sozialer Aktion [...] abrupt zu Ende", so Theatermacherin Eva Brenner in einer Aussendung. Allerdings will man die Theaterarbeit mobil fortsetzen.

Die grundsätzliche Kürzung der Förderung vonseiten der Stadt wird  im Kulturressort bestätigt. Angesichts einer angespannten Budgetsituation sehe man sich zu diesem Schritt gezwungen, zumal - ungeachtet der Wertschätzung für die Arbeit der Fleischerei - in den vergangenen Jahren weniger Produktionen realisiert worden seien. Überdies sei der Betrag, den die Fleischerei nach der Kürzung noch erhalte, für den Bereich der freien Theater durchaus signifikant.

Man habe sich stets als wahrhaft interkulturelles Zentrum für "künstlerische Nahversorgung" verstanden, so Brenner. In den vergangenen sieben Jahren habe man rund 100 Projekte realisiert - von Marathonperformances zu Heiner Müller über migrantische Kochshows bis zu Umzügen im öffentlichen Raum. Pro Jahr seien zwei größere Theaterproduktionen auf die Beine gestellt worden.

Deshalb werde man ungeachtet der Kürzungen nicht mit der Theaterarbeit aufhören, sondern die in Planung befindlichen Projekte adaptieren und unter dem Titel "Fleischerei_mobil" ohne fixen Standort in Wien und im Ausland realisieren. In "Unruhige Zeiten" wird man am 4. und 5. Mai im Museum auf Abruf nach Texten von Ingeborg Bachmann und Paul Celan performen, im Juni steht "Auf Achse: Dorfplatz 2011" an, bei dem man mit Migranten, Asylwerbern, Künstlern und Geschäftstreibenden am Siebensternplatz spielen will. Im Herbst soll dann "Was draußen lag, war Fremde!" nach dem Jura Soyfer-Roman "So starb eine Partei" folgen.  (APA)

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