Ein übler Scherz

6. April 2011, 18:52
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Wien wurschtelt bei der Entwicklungshilfe seit Jahren herum

Bei der internationalen Entwicklungszusammenarbeit (EZA) gibt es zwei gangbare Wege. Kritiker meinen, die Hilfszahlungen seien unnütz, ja sogar schädlich, weil sie arme Länder in neue Abhängigkeiten stürzen und korrumpierend wirken. Das ist zwar oft ein schwaches Argument, aber immerhin eine geradlinige Position. Auf der anderen Seite meinen Experten aus der Community, die Hilfe soll fließen, sogar üppiger, aber vor allem effektiver.

Was macht Österreich? Wien wurschtelt seit Jahren zwischen den beiden Positionen herum. Die EZA-Leistungen sind mit 0,32 Prozent der Wirtschaftsleistung ein übler Scherz und weit von den Ausgaben vergleichbarer Staaten entfernt. In den kommenden Jahren werden die Leistungen weiter gekürzt. Da werden auch die Entschuldungen, die 2010 die Statistik gerettet haben, nichts mehr helfen.

Trotzdem leistet sich das Außenministerium nach wie vor einen eigenen Verwaltungsapparat, der ein immer kleiner werdendes bilaterales Hilfsbudget verwaltet. Das bietet Minister Michael Spindelegger bei Auslandsreisen zwar öfter nette Foto-Gelegenheiten, bei denen Schüler irgendwo in Afrika rot-weiß-rote Fähnchen in die Höhe halten. Für die Sache ist es aber völlig wertlos. Wenn Österreich nicht bereit ist, mehr zu tun, sollte es seine teuren Abteilungen schließen und das Geld spenden - etwa an Unicef oder die EU-Kommission. Auch bei der Scheckübergabe ließen sich vortreffliche PR-Fotos machen. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2011)

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